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Richard Strauss

Ariadne auf Naxos

Hilde Zadek, Hans Hopf, Rita Streich, Sena Jurinac, Joseph Keilberth

Capriccio/Delta 67166/67
(116 Min., 1954) 2 CDs

Der Dirigent und ehemalige Münchner GMD Joseph Keilberth (1908-1968) ist durch den ersten, jetzt neu veröffentlichten "Ring" (Testament) zurzeit wieder zu entdecken - und durch diese "Ariadne". Leichter, komödiantischer, eloquenter hat kaum jemand das Vorspiel in Fluss gebracht. Als transparentes Lustspiel, Theaterzauber der getäuschten Gefühle und überrumpelnden Fiktionen fasst Keilberth das Stück auf. So hat es weder die gipserne Statik noch den neckischen Stubenmädchenton, mit dem man es sonst oft aus der Balance bringt. Das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester (heute: WDR Sinfonieorchester Köln) nahm’s 1954 als eine Art präkarnevalesken Literatenschwank. Und traf durch zurückhaltendes Temperament, schwebende Streicher und zitterndes Blech den Charakter gut.
Hilde Zadek - auch sie gilt es wieder zu entdecken - war eine zu ihrer Zeit ätherisch-hellsichtige, nie übelgelaunte Ariadne (und spätere Lehrerin von Thomas Quasthoff). Sena Jurinac versieht den Komponisten mit pubertärem Schmelz. Mit Rita Streich als Zerbinetta (sechs Wochen vor der berühmten Karajan-Aufnahme, in der sie wieder zu hören war), Hans Hopf (Bacchus) und Alfred Poell (Musiklehrer) präsentiert sich ein Strauss-Ensemble, wie es seither für unwiederbringlich gilt. Ein Fest, durchaus. In der Sprech-Nebenrolle des Haufhofmeisters mokant: der Märchenerzähler und große Hamburger Schauspiellehrer Eduard Marks.
Vergegenwärtigt man sich den (über diverse Labels verteilten) Strauss-Zyklus Keilberths ("Salome" mit Goltz, "Rosenkavalier" mit Töpper, "Frau ohne Schatten" mit Borck, "Ägyptische Helena" mit Rysanek und "Arabella" mit della Casa), so staunt man nicht wenig über die geringe Wertschätzung, mit der dieser Dirigent oft als Praktiker abgetan wird. Seine "Ariadne" ist das Paradebeispiel eines sanguinisch unverspannten, sängerisch formidablen Strauss-Stils und -Zyklus. Fehlt nur noch "Intermezzo".

Robert Fraunholzer, 29.09.2006



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