Es gab eine Zeit, da war das wichtigste an einer Opernproduktion nicht der Regisseur, sondern das Werk, die Musik, die Sänger. Keiner in Deutschland würde es heute wagen (und es vermutlich auch gar nicht können), den "Rosenkavalier" wie Otto Schenk zu inszenieren, nämlich ganz einfach und handwerklich virtuos, so wie Strauss und Hofmannsthal das vorschwebte. Es käme einem Todesurteil gleich. Doch Schenk und sein Ausstatter Jürgen Rose standen noch nicht unter dem Zwang, um jeden Preis aktuell, "modern", neu, anders, provokant oder schockierend sein zu müssen und konnten es sich leisten, ganz gelassen eine Bilderbuchproduktion auf die Bühne des Münchner Nationaltheaters zu stellen, die längst legendär ist.
Legendär und ein absolutes Muss nicht nur für Strauss-Liebhaber ist dieser "Rosenkavalier" vor allem wegen seiner musikalischen Seite. Die transparent schwebende Zartheit im Schlafzimmer der Marschallin, der deftig doppelbödige Walzer des Barons, das hemmungslos gefühlvoll schwärmende Terzett des dritten Akts - das zaubert keiner so brillant, ja genialisch wie Carlos Kleiber, dessen tiefe Liebe zu diesem Werk in jedem Augenblick fühlbar ist. Gwyneth Jones' Marschallin, Brigitte Fassbaenders Octavian und Lucia Popps Sophie sind eine Traumbesetzung. Mit Kurt Moll als Ochs wäre das Glück vermutlich kaum zu ertragen gewesen, also sind wir dankbar für Manfred Jungwirth, der dafür sorgt, dass wir nicht abheben.

Jochen Breiholz, 10.12.2005



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