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Richard Strauss

Die schweigsame Frau

Kurt Moll, Cyndia Sieden, Deon van der Walt u.a., Münchner Rundfunkorchester, Pinchas Steinberg

Koch Classics 3-6581-2
(1/1993) 2 CDs

Wenn Sie komische Opern mögen, hier ist eine der göttlichen Art. Stefan Zweigs Text frei nach Ben Jonsons Komödie "Epicoene or The Silent Women" hätte selbst Mozart kaum raffinierter vertonen können. Die Musik von Richard Strauss ist genial eklektizistisch, ein überraschendes und reizendes Potpourri der motivlichen und musikalischen Tradition und als Ganzes damit weitaus mehr als ein Potpourri. Es stimmt einfach alles: groteske Steigerungen, tiefer Sinn, hohe Ironie, Menschliches Allzumenschliches und eine schlüssige, wundervoll komische Handlung.
Sir Morosus, ein ehemaliger britischer Flottenadmiral, "ist einmal mit der Pulverkammer seiner Galione in die Luft geflogen" und kann seither keinen Lärm mehr vertragen. Da er sich einsam fühlt und einiges zu vererben hat, rät ihm sein Barbier, eine schweigsame Frau zu heiraten. Dann aber kommt sein vermisster Neffe Henry zurück und er beschließt, diesem sein Erbe zu vermachen - bis er feststellt, dass Henry nicht Soldat, sondern Sänger in einer Operntruppe geworden ist, worauf er ihn samt seiner mitgereisten "Lärmtruppe" verstößt. Nunmehr benötigt der Barbier doch eine schweigsame Frau für Morosus - wobei ihm Henry, seine Sängerfreunde und besonders seine Frau Aminta, die als anmutig-schüchterne Timida den alten Morosus betören wird, gern behilflich sind.
Cyndia Sieden als schweigsame Frau beherrscht das Register der idyllisch-liebevollen Aminta sowie das der scheuen und plötzlich schrill-extravaganten Timida, deren ganz unehrenhafte Vorgeschichte am Ende herauskommt - bevor sich alles in Komödie auflöst. Kurt Molls Reaktionen als Morosus bringen den Hörer immer wieder zum Lachen, so ernst und kantabel stellt er den plötzlich aufgetauten Griesgram dar, der aber leider einem Scherz aufsitzt. Auch Deon van der Walt als Neffe Henry lässt keine Wünsche offen. Seine helle Stimmfarbe, seine Flexibilität und Deutlichkeit der Aussprache erinnern an die zivilisierte Gesangskunst Peter Schreiers. Die übrigen Rollen sind ebenfalls sehr gut besetzt.
Zwei Heftchen liegen den CDs bei: ein Libretto in deutscher Sprache und englischer Übersetzung und eines mit vorzüglichen Erläuterungen.

Cornelia Wieschalla, 13.06.2002



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