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Richard Strauss

Klavierkonzerte für die linke Hand

Anna Gourari, Bamberger Symphoniker, Karl Anton Rickenbacher

Koch/Schwann 0 99923 65712 5
(53 Min., 7/1999, 9/1999) 1 CD

Wenn je eine Verstümmelung kulturstiftend gewirkt hat, dann jene des Pianisten Paul Wittgenstein, der im Ersten Weltkrieg seine rechte Hand verlor. Mancher hätte resigniert, der Bruder des Philosophen Ludwig Wittgenstein aber vergab Kompositionsaufträge an berühmte Komponisten. Für die linkshändigen Prachtstücke von Ravel und Prokofjew (Nr. 4) sind ihm alle armen Pianisten dankbar, die sich eher beim Üben denn im Kriege die Rechte ruiniert haben.
Auch seinen Jugendbekannten Richard Strauss bat Paul Wittgenstein um eine Komposition. Der war kein Erfinder eines effektvollen, eigenständigen Klaviersatzes; die frühe "Burleske" war eher technisch überhöhte "Lisztiana". So reizte es Strauss auch nicht, den Fingermangel raffiniert zu verstecken und Fülle zu erzaubern. Eher war ihm die Beschränkung Anreiz, einen Klang zu schaffen, in dem das Klavier gleichsam im Flachrelief hervortritt. In gleich zwei Werken erprobte er diesen "halbkonzertierenden Stil", und schon die Titel dieser Konzerte, die keine sind, klingen eigenartig: "Parergon" und "Panathenäenzug". "Parergon" bedeutet Anhang, ein Anhang an die "Sinfonia Domestica", deren Themen Strauss hier mit minder biografischem, selbstinszenierenden Zug weiterspinnt. Der "Panathenäenzug" kommt als Passacaglia daher, in der Strauss dem Pianisten dann klippenreichere Aufgaben stellt.
Dass Anna Gourari, die für ihre erste Aufnahme (Skrjabin) zu Recht großes Lob empfing, sich diesen Werken widmet, in denen sie schwerlich als Virtuosin auftrumpfen kann, finde ich großartig. Und so klingen diese Kompositionen bei Gourari und Karl Anton Rickenbacher deutlich erfüllter, fasziniender, als es ihr Nebenwerk-Status erwarten ließe.

Matthias Kornemann, 11.01.2001



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