Wessen Bekanntschaft mit dänischer Vokalkunst sich bislang auf jenen Koch beschränkte, der in der Muppet-Show “Smörrebröd”-Gesänge intonierte, der wird von dieser “Salome” positiv überrascht sein, denn deren Nebenrollen sind vorzüglich mit jungen Sängerinnen und Sängern aus Kopenhagen besetzt. Von Marianne Rørholm als Herodias’ Page bis zum Sklaven von Henriette Bonde-Hansen ist kein Ausfall zu beobachten. Im Zeitalter internationaler Koproduktionen ebenso wohltuend: Hier wird dem Deutschen einmal phonetisch keine Gewalt angetan, einzig der Narraboth von Deon van der Walt will in seiner Lautbildung seine Herkunft aus Gouda-Land nicht verleugnen.
Und die Hauptrollen? Robert Hales Jochanaan gibt sich eher viril als prophetisch - ob er nicht doch ein bisschen fasziniert ist von dem mal gurrenden, dann wieder keifenden Teenager Salome? Inga Nielsens Gestaltung der Titelrolle hält genau die Mitte zwischen Aggression und Verletzlichkeit, Reiner Goldberg als Herodes gelingt das Kunststück, die Haltlosigkeit seiner Figur ohne vokale Einbußen spürbar werden zu lassen.
Und doch ist diese Aufnahme eine Enttäuschung: Das Dänische Radiosinfonieorchester kneift vor der Erotik und der Verführungskraft dieser Musik - und das bei einer Partitur, die zum Schwelgen förmlich einlädt.

Stefan Heßbrüggen, 28.02.1999



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