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Yesterdays - 1944 - 49

Erroll Garner

Naxos Jazz Legends 8.120528
(53 Min., 12/1944 - 3/1949) 1 CD

Erroll Garner gehörte zu dieser heute nahezu ausgestorbenen Spezies Musiker, die die Bühne betreten, um ihren Hörern das pure Glück zu bescheren. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Garner seine Interpretationen je mit finsterer Miene ablieferte. Es könnte natürlich auch eine Generationsfrage sein: Das Wort "Entertainer" hatte in Garners frühen Jahren, die Gegenstand dieser Sammlung sind, vielleicht noch keinen so abwertenden Beiklang. Aber wer nicht nur die vor ihm befindlichen Tasten, sondern auch die Klaviatur der Gefühle seines Publikums derart souverän beherrscht wie Erroll Garner, darf sich musikalischen Humor erlauben, ohne sich damit gleich zum Hanswurst zu machen.
Der rein nach Gehör spielende Autodidakt Garner spielt hier noch nicht ganz so weit hinter dem Beat wie auf den Columbia-Aufnahmen, die ihm den großen Durchbruch bescheren sollten. Auch stellt er noch nicht jeder Themenexposition eine davon so weit wie möglich entfernte Rubato-Einleitung voran. Dafür hat er ein so stark entwickeltes Gefühl für die richtige "time", dass er die wechselnden Rhythmusgruppen nicht wirklich gebraucht hätte.
Sein perkussiver Blockakkord-Stil in boppenden Up-Tempi ("Trio") bildet ein aufregendes Gegenstück zur floralen Üppigkeit seiner in jeder Hinsicht prächtigen Balladenauslegungen: "Laura" hat sich hier von ihren Ursprüngen im Film Noir gelöst und glitzert impressionistisch wie eine Wasseroberfläche in der Sonne.
Der digital restaurierte Klang und die Auswahl der chronologisch gereihten Aufnahmen (darunter zwei Klaviersoli und eine Live-Kostprobe mit Wardell Gray) lassen nichts zu wünschen übrig; da die Produzenten aber auf die Hinterlassenschaften von sechs verschiedenen Labels zugreifen konnten, hätten zwanzig Minuten zusätzliche Spielzeit niemandem einen Zacken aus der Krone gebrochen.

Mátyás Kiss, 14.06.2001



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