Responsive image
Ludwig van Beethoven

Diabelli-Variationen

Konstantin Scherbakow

Naxos 8.554372
(70 Min., 1997) 1 CD

Wie weit wird unser Bild eines Komponisten eigentlich durch die Abkonterfeiungen, die von ihnen geläufig sind, geprägt? Was Beethoven angeht, hat das romantische 19. Jahrhundert da jedenfalls nicht segensreich gewirkt: Die Vielzahl zauseliger Gips-Büsten auf Omas Flügel spricht Bände. Das Beethoven-Bild Konstantin Scherbakows wirkt auf den unbedarften Hörer so, als ob sich Andy Warhol die Diabelli-Variationen marilyn-bunt, quasi im Siebdruck, vorgenommen hätte.
Natürlich ist dieses Werk für sich genommen schon ein Monster: unbegreiflich, unausdeutbar, zugleich hermetisch und von immenser Vielfalt der Stimmungen. Konstantin Scherbakow aber nimmt Beethovens Fehdehandschuh mit Wonne auf. Das muss man nicht gut finden, aber wenigstens kneift er nicht. Wer Friedrich Guldas zierliche Walzerseligkeit im Ohr hat, muss sich erst einige Zeit einhören. Aber dann kann er sich gegen Scherbakows animalische Wucht nicht mehr recht wehren.

Stefan Heßbrüggen, 30.04.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top