Responsive image

You Never Lose An Island

Patrick Bebelaar

DML/Fenn Music CD-015
(74 Min., 6/2002) 1 CD

Der Tübinger Pianist Patrick Bebelaar wird nicht müde, uns in immer neuen Besetzungsvarianten mit einer sehr vielseitigen Musik zu überraschen: Nach Projekten mit dem Trio Limes X, im Duo mit Frank Kroll, inmitten indischer Musiker oder zuletzt im Zuge des aufwendig inszenierten Doppelprojekts "Passion / Duscha Moja" hat er stets sowohl Beweise seiner kompositorischen als auch kommunikativen Talente vorgelegt.
Seine dreiviertelstündige Suite "You Never Lose An Island" liegt nun als Konzertmitschnitt vor. In Bebelaars Musik dürfen das Saxofon und die Klarinetten Frank Krolls nicht fehlen; das Flügelhorn von Herbert Joos war schon auf "Duscha Moja" dabei - neu in diesem Kreise ist lediglich der Tubavirtuose Michel Godard. Dies versetzt Bebelaar in die ungewöhnliche Lage, es mit drei Bläsern (die sich jeweils mehrerer Instrumente bedienen) aufnehmen zu müssen; eine Rhythmusgruppe fehlt hingegen.
Folglich kann die Musik nur eine sehr freie sein, da sich die einzelnen Spieler unmöglich auf Rollen festlegen lassen, sie höchstens spielerisch übernehmen, wie man sich plötzlich, wenn keiner zuschaut, eine Karnevalsmaske überstülpt und sie ebenso unvermittelt wieder abstreift. Trotzdem ist es Bebelaar, der Ordnung schafft, Höhepunkte markiert oder Richtungswechsel andeutet, wie es Miles Davis in späteren Jahren auf seinem Keyboard tat.
Eine solches Vorgehen versteht das Musizieren als Prozess des Entstehens und Vergehens, des Einander-Findens und Wieder-Verlierens. Hier wird kein fest gefügtes Werk aufgeführt, kein Ziel verfolgt außer dem Unterwegssein, mit den Umwegen als dem eigentlich Spannenden an der Reise, auf die man sich einlässt oder eben nicht. Zur Entspannung ergänzen vier kürzere Stücke - davon zwei freie Bearbeitungen mittelalterlicher Vorlagen und ein Tango mit Ohrwurmqualitäten - das Programm dieser anspruchsvollen CD.

Mátyás Kiss, 19.12.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Eruptiv wie ein Vulkan. So könnte man Pietro Mascagnis berühmten Einakter „Cavelleria rusticana“ beschreiben, den man üblicherweise als Operndoppel mit Ruggero Leoncavallos „Pagliacci“ geboten bekommt. Es ist ein Gegenentwurf zum Wagnerschen Musikdrama, der Cosima Wagner bloß „anwiderte“. Marek Janowski und das Orchester der Dresdner Philharmonie haben ihn nun im Singular eingespielt, auf CD wohlgemerkt, nicht auf DVD, es ist ihr erstes gemeinsames Projekt. Und genug Feuer, um […] mehr »


Top