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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Why Shouldn't You Cry (The Legacy Vol. 3)

Chet Baker

Enja/Edel ENJ-9337 2
(56 Min., 1/1979, 11/1979, 8/1987, 8/1993) 1 CD

Chet Bakers und Wolfgang Lackerschmids Freundinnen weinten im Kontrollraum, als der Poet der seelenvoll gehauchten Trompetentöne und sein deutscher Partner dessen Komposition einspielten. Und schon war der Titel geboren: “Why Shouldn't You Cry?”.
Ja, auch angesichts dieses Chet-Baker-Albums müßte man schon etwas verstockt sein, wenn sich nicht Rührung einstellte. Zum Beispiel bei “You Don't Know What Love Is”. Man möchte kaum glauben, daß diese Aufnahme die ersten Töne vorführt, die in der Begegnung des damals zweiundzwanzigjährigen Vibrafon-Sensibilisten mit dem durch Deutschland tourenden Amerikaner miteinander gespielt wurden - so innig und intim, so blind vertrauend und verständnisvoll entfalteten sie ihre Zwiesprache.
1979 war bei dieser Gelegenheit das Duo-Album “Ballads For Two” aufgenommen worden; drei Stücke aus dieser Session sind der Höhepunkt dieser CD, darunter “Dessert”, eine freie Improvisation, die uns bedauern läßt, daß Baker seinen Besuch nicht öfter diesem Genre abgestattet hat. Noch im gleichen Jahr war das Album “Chet Baker / Wolfgang Lackerschmid” erschienen, ein Quintett-Album mit Larry Coryell. Dem von der Managerin ernst genommenen Witz des Vibrafonisten, die Rhythmus-Musiker sollten beide Williams heißen, ist die Anwesenheit von Buster und Tony Williams zu verdanken. So gern man dieser bunt zusammengewürfelten Besetzung auch zuhören mag, die Quintett-Stücke lassen etwas kalt, wenn man das filigrane und doch so wärmende Gespinst der beiden im Ohr hat.
Die ähnlich hintergründigen, 1987 eingespielten Aufnahmen zeigen, daß Lackerschmid bis kurz vor Bakers Tod ein ebenbürtiger Spielgefährte des melancholischen Meisters blieb. Da die 79er Alben nach wie vor erhältlich sind, überrascht das Erscheinen dieser Aufnahmen in der Reihe “The Legacy”, die das Sammlerherz bislang nur mit unveröffentlichten Bakereien erfreute.

Marcus A. Woelfle, 30.04.1998



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