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El Pampero

Gato Barbieri

Bluebird/BMG 09026 63871 2
(54 Min., 6/1971) 1 CD

Die Perkussion stellte für den 1934 geborenen Argentinier Gato Barbieri keine verkaufsfördernde Zutat dar - sie repräsentierte das Bindeglied zu den Klängen und Rhythmen seiner Heimat. Die hatte er zunächst Richtung Europa verlassen, um an der Seite von Don Cherry die ersehnten Gestade New Yorks zu erreichen, wo er 1967 mit der völlig freien Produktion "Search For The Mystery" (ESP) debütierte.
Spuren seiner Lehrzeit prägen noch die ersten Platten für Bob Thieles Label "Flying Dutchman" - coltraneske Rubato-Balladen, Aylersches Tremolo-Pathos, folkloristische Anleihen. Die Alben "Under Fire" und "Bolivia" sind dagegen nach wie vor gültige Beispiele einer ausgelassenen, melodienseligen Fusion aus nordamerikanischem Jazz und südamerikanischem Lebensgefühl, an der Barbieris leidenschaftlich-hymnisches Spiel ebenso großen Anteil hat wie die glitzernden Klavierläufe von Lonnie Liston Smith.
Die mitreißendste seiner Flying-Dutchman-Aufnahmen aber entstand 1971 beim Jazzfestival in Montreux: "El Pampero". Barbieri, Smith, der treibende E-Bassist Chuck Rainey sowie Sonny Morgan (Conga), Nana Vasconcelos (Perkussion) und Bernard "Pretty" Purdie (Schlagzeug) halten sich wechselseitig auf dem Energielevel eines vierzig Minuten andauernden Orgasmus': "El Gato" ("der Kater"), der in sein Instrument hineinsummte und es gleichzeitig überblies, erreichte nie größere Intensität als mit diesem Sextett vor einem begeisterten Publikum und am künstlerischen Zenit seiner Karriere.
Als Zuwaage erklingt die von Oliver Nelson komponierte und für Dezett arrangierte Hommage "El Gato". Der in einem feurigen Saxofonduett zwischen Barbieri und Nelson (am Alt) gipfelnde, anderswo schwer erhältliche Zwölf-Minuten-Titel hätte besser auf das erwähnte Album "Under Fire" gepasst, das ebenfalls 1971 in einem New Yorker Studio entstand. Als Füllsel viel geeigneter wäre die längere "Swiss Suite" gewesen, welche Barbieri am gleichen Tag (!) wie "El Pampero" live in Montreux einspielte; doch diese ist schon letztes Jahr auf der gleichnamigen Oliver-Nelson-CD erschienen.

Mátyás Kiss, 28.11.2002



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