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Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 15, Klavierkonzert Nr. 2, Hornissen-Suite

Mikhail Rudy, London Philharmonic Orchestra, Mariss Jansons

EMI 5 56591 2 
(4/1997) 1 CD

Seit Jahren, ach was, seit Jahrzehnten warte ich auf eine Aufnahme von Schostakowitschs letzter Sinfonie, der rätselhaften Fünfzehnten, die es mit der mittlerweile fast historischen Kondraschin-Einspielung (Melodiya/BMG) aufnehmen kann. Das Werk ist in seiner kammermusikalischen Machart und seinem steten Wechsel zwischen Humor und Sarkasmus, Trauer und Resignation interpretatorisch schwer zu realisieren; große Dirigenten sind an ihm schon gescheitert. Lediglich Kondraschin ist es gelungen, die Maskenhaftigkeit der Musik darzustellen, ohne zu übertreiben; seine Interpretation verdeckt die Brüche nicht und wirkt dennoch wie aus einem Guss.
Mariss Jansons ist ein Schostakowitsch-Interpret mit Erfahrung, und die zeigt sich auch allenthalben in seiner Einspielung. Der groteske “Spielzeugladen”-Irrwitz des Kopfsatzes wirkt bei ihm alles andere als heiter, und der Klagegesang des Adagio wird mit großem Atem auszelebriert. Und dennoch ... Jansons scheint mir den inneren Zwiespalt der Musik allzu gewollt herauszustellen, nach dem Motto: “Seht her, das ist alles nur Maske.” Damit tut er zuviel des Guten. Wenn er dann im Schlusssatz auch noch einige äußerst merkwürdige Tempomodifikationen und Phrasierungsdetails anbringt, hat seine Interpretation bei mir an Glaubwürdigkeit verloren - um so mehr, als die vertrackten Schlagzeugrhythmen der Coda nicht mit der gebotenen Deutlichkeit realisiert werden.
Simon Rattle hat die Fünfzehnte in letzter Zeit öfter dirigiert, vielleicht sollte er dieses Werk einmal aufnehmen. Solange bleibe ich bei Kondraschin - daran vermag auch Mikhail Rudys gelungene Einspielung des Zweiten Klavierkonzerts nichts zu ändern.

Thomas Schulz, 30.06.1998



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