home

N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



Responsive image

Joyosa

Markus Stockhausen, Ferenc Snétberger, Arild Andersen, Patrice Héral

Enja/Soulfood 9468 2
(58 Min., 6/2003) 1 CD

Am Anfang ist da eine leise Befürchtung: Diese Aufnahme setzt so ätherisch klangvernebelt, so amorph obertonverliebt ein, dass man sich auf 58 Minuten esoterisches Geschwurbele gefasst macht. Doch dann erhebt sich aus dem Gebräu unversehens eine nüchtern gezupfte Gitarre, sekundiert vom Bass, der in der Folge selbstbewusst das Geschehen an sich reißt und mit sarkastischer Schwermut das Thema vorstellt. Das Leichte und das Schwere, das Fragile und das Derbe - auf eigentümliche Weise geht das alles zusammen bei diesem hochkarätig besetzten Quartett ohne Bandleader.
Ein europäisches Dream-Team, ohne Frage. Da ist Markus Stockhausens Trompete, die mit deutscher Gründlichkeit Geschichten von eisklirrender Einsamkeit und stiller Zuversicht erzählt. Hinzu kommt der in Ungarn geborene Ferenc Snétberger, dessen Gitarre mal flirrend lospoltert oder sich in somnambulen Arpeggien verlieren mag. Norwegens Meister-Bassist Arild Andersen hält den beiden den Rücken frei bei ihren jubelnden Unisono-Salti; Frankreichs Schlagwerk-Nonkonformist Patrice Héral schlackert dazu verwundert mit den Fellen und Becken.
Der Viererbund entdeckt mit seiner ersten gemeinsamen Einspielung "Joyosa" Neuland auf der sattsam bereisten Landkarte der Weltmusik. Oder anders gesagt: dieser hochvollendete Kammer-Jazz findet geheime Transitstrecken zwischen Spanien, Brasilien, Osteuropa und Skandinavien. Ganz ohne Jetlag reist die Seele mit. Ein traumhaftes Debüt.

Josef Engels, 03.04.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Für sein aktuelles Album hat der Trompeter Matthias Höfs ein Werk ausgegraben, das als das einzige ernstzunehmende romantische Trompetenkonzert des 19. Jahrhunderts gilt. Es stammt aus der Feder des deutsch-russischen Komponisten Oscar Böhme. Der 1870 bei Dresden geborene Komponist studierte in Deutschland und Ungarn und emigrierte anschließend nach Russland und nahm die russische Staatsangehörigkeit an. Trotz seiner Bemühungen um eine perfekte Integration in die russische Gesellschaft […] mehr


Abo

Top