Responsive image

Alegria

Wayne Shorter

Verve/Universal 543 558-2
(57 Min.) 1 CD

Im vergangenen Jahr meldete sich der Saxofonist Wayne Shorter mit dem Album "Footprints Live" mit nachhaltiger Vehemenz als Meister des akustischen Jazz zurück. Einst hatte er als Frontman bei Art Blakey dessen eher krudem Hard Bop intellektuelle Tiefendimensionen erschlossen. Danach war er als Komponist und Solist emanzipierter Sideman und entscheidender Ideengeber im legendären Miles-Davis-Quintett der sechziger Jahre; er stand somit im Zentrum dessen, was in der Rückschau als die Apotheose des freiheitlich interaktiven, die Basis des Beats und der Tonalität letztlich nicht verleugnenden Akustikjazz gelten mag. Nach dieser Epoche wandte er sich - wie Davis selber und seine früheren Kollegen - anderen Formen zu. Doch Wayne Shorter blieb es vorbehalten, wenn auch erst vierzig Jahre danach, die Brandfackel dieser Musik wieder aufzugreifen und sie mit Hilfe wesentlich jüngerer Musiker in einem aufregend aktuellen Licht erscheinen zu lassen. Schon vor dem dokumentierten Live-Auftritt war er mit der neuen Band ins Studio gegangen und hatte einige seiner bei Miles Davis klassisch gewordenen Kompositionen einer neuen Sicht unterzogen. Das Ergebnis ist die vorliegende CD. Auch hier ist Shorter der spröde, etwas sphinxhaft wirkende Gestalter intensiver Spannungsbögen. Das Bekenntnis zum wieder entdeckten radikal interaktiven Live-Ansatz ist noch verhalten. So gibt es da neben druckvollen Quartett-Nummern auch Streicher-mit-Holzbläser-Arrangements. Die allerdings wirken, obwohl sie jegliche Süßlichkeit und Zickigkeit vermeiden, doch etwas geschmäcklerisch - und im Falle von Heitor Villa-Lobos' "Bachianas Brasileiras No. 5" sogar überflüssig.

Thomas Fitterling, 08.03.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top