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A Jazz Life

Tony Scott

Kind of Blue/Rough Trade KOB 10015
(51 Min., 2/2006) 1 CD

Wahrscheinlich hat Tony Scott im Jazzhimmel erstaunt glucksend aufgelacht, als er sich jetzt nach seinem Tod im Time Magazine als "Milestone" erwähnt sah. Man kann sich das umso besser vorstellen, da nun fast zeitgleich mit der Nachricht vom Ableben dieses originellen Klarinettisten eine Produktion von ihm erschienen ist, die neben einer CD auch eine "Making of"-DVD mit Interviews umfasst. Ein zahnloser Schrat bekennt sich zum Bebop-Life als Religion und Lebenshaltung. An der Seite der Modernjazzlegenden hat er einst im Minton’s gejammt und gleichzeitig auch bei Duke Ellington und Billie Holiday gespielt. Nachdem die Klarinette vom Thron als Königsinstrument des Swings in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt war, verließ er Amerika, machte sich auf Weltreise und spielte mit Musikern aller Kontinente Weltmusik, bevor es diesen Begriff gab. Von der Jazzwelt fast vergessen, ließ er sich schließlich in Rom nieder, wo er jetzt 86-jährig verstarb. Im letzten Jahr aber machte er noch diese großartige "Straight-ahead-Jazz"-CD. Das Geheimnis dabei ist das geniale Jobsharing zwischen einem Quintett, bestehend aus Ravi Coltranes Gruppe und dem Altmeister der Klarinette. Die Band spielt vorzüglich in einem im besten Sinne gelifteten Blue-Note-Stil, und Tony Scott versteht es fesselnd, was vielleicht durch altersbedingte Konditionsschwächen erzwungen sein mochte, zu fast avantgardistisch anmutenden Essenzfragmenten zu verdichten, ähnlich wie das Ben Webster einst tat oder es zunehmend auch ein Archie Shepp zelebriert. Tony Scott wird dabei von der Band getragen, und gleichzeitig komplementieren sich beide perfekt. Das Programm, weitgehend bestehend aus Ellington- und Bebopklassikern, erhält so eine unerwartet frisch-kantige Tiefendimension, die sie ohne die Mitwirkung des großen alten Mannes nie erreicht hätte.

Thomas Fitterling, 28.04.2007



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