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African Flashback

Aldo Romano, Louis Sclavis, Henri Texier, Le Querrec

Label Bleu/Rough Trade LBLC 6679
(52 Min., 4/2005) 1 CD

Es war ein singuläres Ereignis, als der Magnum-Fotograf Le Querrec vor fünfzehn Jahren seine Musikerfreunde Louis Sclavis, Henri Texier und Aldo Romano dazu überredete, mit ihm Zentralafrika zu bereisen, jenen Teil der Welt, mit dem er eine tief empfundene Seelenverbundenheit entwickelt hatte. Der Klarinettist und Saxofonist, der Kontrabassist und der Schlagzeuger sind ja nun wahrhaft Urgestein der französischen New-Jazz-Szene und zeichnen sich für ihre Offenheit gegenüber der eigenen, fremden und imaginären Folklore aus - dennoch hatten sie vorher so noch nie zusammengespielt. Die Reise wurde zu einem prägenden Erlebnis, weitere folgten und 1995 entstand - quasi als Bild- und Ton-Reisetagebuch - ein Gebinde aus Fotoalbum und CD. Der Erfolg war überwältigend, neue Reiseunternehmungen in andere Teile des Kontinentes folgten, und eine weitere CD-Box entstand. Jetzt zum Abschluss dieser zehn- bzw. fünfzehnjährigen Produktionsgeschichte haben sich die vier entschlossen, ihre Erfahrungen in einer dritten Produktion zusammenzufassen. Aus drei Jahren Afrikafotografie stellte Le Querrec eine Auswahl zusammen, und jeder der Musiker wählte daraus vier Bilder, zu denen er musikalische Pendants komponierte. Es entstand so ein äußerst vielfältiges stilistisches Spannungsfeld voll unterschiedlicher Stimmungen. Da gibt es den guten alten Free-Jazz-Aufschrei ebenso wie melodisch besinnliche Momente, die interessanterweise besonders die Kompositionen des Schlagzeugers kennzeichnen, der hier auch Gitarre spielt. Überhaupt zeichnet die Musik bei aller Vitalität eine gewisse abgeklärte Weisheit aus, so wenn Henri Texier mit sparsamen, weitschwingenden Linien sich virtuoser Geschwätzigkeit verweigert oder wenn sich afrikanische rhythmische Hipness in einem fast beiläufig hingewischten Besenakzent sublim manifestiert. Und Louis Sclavis weiß dabei, seine herausragende instrumentale Meisterschaft auf der Klarinette, dem Sopransaxofon und vor allem der Bassklarinette ganz in den Dienst der jeweiligen Kompositionen zu stellen. Vorbildliche Interaktion mit ganz großen Ohren vollzieht sich hier. Auch optisch und haptisch kommt das Produkt vorbildlich daher. Ein Glück, dass es in Deutschland dafür einen Vertrieb gibt.

Thomas Fitterling, 03.12.2005



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