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Five and Fortunes

Jonas Schoen Quartett

schoener hören music/NRW Vertrieb 4022
(62 Min., 8/2004, 9/2004) 1 CD

"schoener hören" ist natürlich ein wunderbarer Slogan für ein Label, auch unabhängig davon, dass der Gründer zufälligerweise den passenden Nachnamen besitzt. Auf "schoener hören" ist nämlich nicht nur Jonas Schoen zu hören, sondern auch eine Reihe bemerkenswerter anderer Künstler. Der Sängerin Ulita Knaus diente die kleine Plattenfirma bereits genauso als geeignete Veröffentlichungsplattform wie dem Julia-Hülsmann-Bassisten Marc Muellbauer. Mit dem ambitionierten Nonett-Projekt des Letzteren, das 2004 erschien, hat die neue CD von Label-Chef Schoen einiges gemein. Etwa die Liebe zu größeren Formen und üppigeren Besetzungen.
Man sollte sich nicht davon täuschen lassen, dass "Quartett" vorne auf der Hülle steht. Zwar ist Jonas Schoen gemeinsam mit seinen drei langjährigen hochmögenden Begleitern, Pianist Buggy Braune, Bassist Pepe Berns und Schlagzeuger Heinz Lichius ins Studio gegangen; im Endergebnis vernimmt man jedoch weit mehr als nur vier Musiker. Schon beim Auftaktstück "Let Me Count the Ways" gewahrt man eine derart dichte Rhythmusverflechtung, dass man denkt, es hier mit einem Quintett (beziehungsweise mit einem um einen Perkussionisten erweiterten Quartett) zu tun zu haben.
Nach einem kurzen Bop-Nackenschlag und einer nachschattigen Ballade kommt dann im zehnminütigen "Out of Focus" die nächste Überraschung in Gestalt eines prallen Gebläse-Overdubs daher. Schoen hat derart geschickt die von ihm eingespielten Saxofone, Klarinetten und Flöten übereinander geschichtet, dass nun gewissermaßen eine Kammer-Big-Band zu hören ist. Er nutzt diesen Kniff im Laufe der vierteiligen, die Aufnahme beschließende Suite noch mehrmals. Das Resultat erinnert in seiner spröden Pracht öfters an Wayne Shorter. Und zeigt, dass man modernen Jazz in Deutschland kaum schöner hören kann.

Josef Engels, 28.05.2005



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