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Jazz Seen - Originalmusik aus dem Film

Till Brönner

Verve/Universal Jazz 556 937-2
(77 Min.) 1 CD

Bei der Originalmusik von Till Brönner, die sich auf dieser CD ohnehin in der Defensive befindet, handelt es sich um durchaus geschickt nachempfundenen Jazz der fünfziger und frühen sechziger Jahre - der im Film porträtierte Fotograf William Claxton arbeitete zu jener Zeit für Westküsten-Labels wie Pacific Jazz, Contemporary und Fantasy. Deren Titel standen aus rechtlichen Gründen aber nicht zur Verfügung.
Nur gehören, bei allem Respekt, Louis Armstrong, Art Tatum, Ella Fitzgerald, Duke Ellington, Oscar Peterson und Ben Webster, ganz zu schweigen von Diana Krall, kaum in diesen historischen Kontext. Also musste ein wenig getürkt werden, Hauptsache, der Hintergrund klingt irgendwie nach Jazz. Das lässt Schlimmes für die Machart des Films befürchten, war doch schon "Blue Note - A Story of Modern Jazz", das vorige Werk des Regisseurs Julian Benedikt, eine vertane Gelegenheit zu einem richtig guten Jazzfilm.
Andererseits enthielten die Archive von Verve immerhin Originalaufnahmen von Stan Getz, Gerry Mulligan und Chet Baker. Gerade Baker gegenüber nimmt sich der beinahe körperlose Ton von Till Brönner ziemlich dürftig aus, aber er schlägt sich immerhin besser, als seine missratene CD "Chattin' With Chet" (siehe Rezension) nahe legte. Zum Glück hatte er mit dem Tenoristen Peter Weniger und dem Pianisten und Organisten Frank Chastenier zwei wirklich großartige Sidemen zur Verfügung, die Leben in die Bude bringen.
Dass stellenweise die Streicher der Berliner Philharmoniker verpflichtet werden konnten, deutet auf ein großes Budget hin, das wohl der Temperatur der heißen Luft um Brönner insgesamt entspricht. Wie der endlose Nachhall auf "Flooded" suggeriert, wollte der halt auch einmal seinen "Fahrstuhl zum Schafott" abliefern. Lassen wir ihm die Freude und blättern wir lieber in der gleichzeitig beim Taschen-Verlag erschienenen Buchausgabe von "Jazz Seen": Dazu können wir dann auch endlich die passende Musik auflegen.

Mátyás Kiss, 20.09.2001



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