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J’ai deux amours

Dee Dee Bridgewater

Emarcy/Universal 9869777
(56 Min., 10/2004, 11/2004) 1 CD

Dee Dee Bridgewater ist die Primadonna des modernen Jazzgesangs aus der Tradition einer Ella Fitzgerald. Stimmliche Virtuosität und eine strahlende Erscheinung verleihen ihr jenes leuchtende Charisma, das wohl nirgends mehr Bewunderung findet, als in der "ville lumière", in der Stadt der Lichter, in Paris. Dorthin hat es sie vor 19 Jahren gezogen, und dort hat sie Liebes- und Familienglück gefunden und wurde sogar zum "Officier des Arts et des Lettres" ernannt. Seit sechs Jahren lebt sie nun hauptsächlich wieder in den USA, aber sie trägt Paris nach wie vor in sich. Schon seit Jahren wollte sie ein Album mit Klassikern des französischen Chansons aufnehmen. Jetzt, initiiert durch eine französische Kulturveranstaltung in Washington, ergab sich die Gelegenheit dazu. Mit einer stimmungsvollen Combo aus Akkordeon, Gitarre, Kontrabass und Perkussion geht sie ein gewagtes Programm an: Sie versucht überwiegend literarisch anspruchsvolle Schwergewichte etwa von Trenet, Brel und Ferré zu stemmen. Doch was ein frischer Zugang zu den monstres sacrés des Chansons hätte werden können, ist oft nichts weiter als eine liebenswerte Kuriosität. Zu oft beschränkt sich die konzeptionelle Naivität, die forsch die Schatten der Originale zu ignorieren sucht, im Bemühen um eine korrekte Aussprache und einer manierierten, vermeintlich typisch französischen Sangesmanier. Aber vielleicht leidet diese Einschätzung unter dem Fluch der Kenntnis der Originale, die sich nach einer neuen Deutung in adäquater Transposition sehnt und nur eine hübsche Ausgestaltung bekannter Melodien bekommt. Immerhin liegen die Texte bei.

Thomas Fitterling, 26.02.2004



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