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Pilgrimage

Michael Brecker

Wa Records/Emarcy/Universal Music 060251726351
(78 Min., 8/2006) 1 CD

Michael Brecker, das ist der Virtuose, der die schwarze Tenorsaxofontradition auf tanzende weiße Füße gestellt hat, der Mann, dem mit seinem Trompete spielenden Bruder Randy überzeugend der Brückenschlag vom Hard Bop zum fusionorientierten Jazzfunk gelang und der schließlich als Mitglied von Steps Ahead, als Sideman von McCoy Tyner, Chick Corea, Herbie Hancock und Pat Metheny zum vielleicht einflussreichsten Saxofonisten seit John Coltrane wurde. Erst spät in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts startete er seine Solokarriere und war alsbald ein gefeierter Star. Im Jahr 2005, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, wurde bei ihm die tückische Knochenmarkserkrankung MDS diagnostiziert, der er am 13. Januar 2007 im Alter von 57 Jahren erlag. Im August zuvor ging er noch, schon am Rande der totalen physischen Erschöpfung, mit einer Traumbesetzung ins Studio um sein erstes Album, das ausschließlich seinen eigenen Kompositionen gewidmet ist, aufzunehmen. Pat Metheny spielte Gitarre; am Klavier wechselten sich Herbie Hancock und Brad Mehldau miteinander ab, und Bass und Schlagzeug spielten John Patitucci und Jack DeJohnette. Derartigen "last dates" wird ja oft eine mystische Aura angedichtet, mit der eine erlahmende Schaffenskraft noch fragwürdig verkaufsfördernd ins Positive umgedeutet werden soll. "Pilgrimage" hingegen ist über derartigen Hype hoch erhaben. Die Soli des Leaders lassen keine technischen Schwächen erkennen, sie sind vielmehr von einer lodernden Konzentriertheit, und gleichzeitig beseelt sie eine gewisse spirituelle Verklärtheit. Es scheint da etwas auf, was von Ferne an die Spätphase von John Coltrane, Michael Breckers erstem großen Idol, erinnert. Die kongenialen Mitmusiker von Michael Brecker sind von diesem Moment berührt und spielen bei allem vitalen Druck mit einer sensibel respektvollen Dienlichkeit. So ist eine berührende CD entstanden, die konzentriert leidenschaftliche Michael-Brecker-Musik enthält und doch gleichzeitig über sich selbst hinausweist.

Thomas Fitterling, 02.06.2007



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