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Arnold Schönberg

Pierrot Lunaire, Herzgewächse, Ode To Napoleon

Solisten des Ensemble Intercontemporain, Pierre Boulez

Deutsche Grammophon 457 630-2 
(52 Min., 9/1997, 6/1998) 1 CD

Schönbergs “Pierrot Lunaire” ist immer noch ein verstörendes Stück: radikal in der Tonsprache, drastisch im Text, erneuernd in der Führung der Sprech-Gesangsstimme. Nachdem er es vor zwanzig Jahren schon einmal aufgenommen hat, ist Pierre Boulez mit Mitgliedern des Ensemble Intercontemporain und der Sopranistin Christine Schäfer noch einmal zu Werke gegangen.
Der Vergleich der beiden Versionen ist lehrreich, enthüllt er doch, wie sehr Boulez' Blick auf die Komposition sich geändert hat. Suchte er vor zwei Jahrzehnten mit der Sängerin Yvonne Minton nach den Wurzeln des Stücks in der Spätromantik, mit weiten Bögen und überhitztem Klangschmelz, so hat man nun den Eindruck, das Werk sei viel “zeitgenössischer”, fast so, als ob wir im zu Ende gehenden zwanzigsten Jahrhundert eine Erinnerung brauchten, mit welchen Revolutionen es einmal eingeläutet wurde. Christine Schäfer deutet ihren Part in expressionistischer Übersteigerung und doch ganz von der Sprache her, und das mit erlesener Lautbildung.
Trotzdem wünschte man ihr Begleiter, wie sie Boulez vor zwanzig Jahren zu Gebote standen. Damals geigte Pinchas Zuckerman, saß Daniel Barenboim am Klavier. Und die verstanden einfach mehr von ihrem Handwerk als 1998 Jeanne-Marie Conquer und Florent Boffard. So verpufft Schäfers enorme musikalische Intelligenz ein wenig: Die anderen klingen zu häufig nach “Begleitung”.

Stefan Heßbrüggen, 31.05.1998



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