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Camille Saint-Saëns

Klaviertrios

Trio Wanderer

harmonia mundi HMC 901862
(58 Min., 8/2004) 1 CD

Ungerecht ist sie, diese Welt. Auch und im Besonderen die Welt der Musik ist es, verteilt sie doch ihren Lorbeer derart ungünstig, dass neben den mächtigen Thronpodien für die allmächtigen Sonnengötter der Zunft kaum ein schattiges Plätzchen frei bleibt für jene Komponisten, die sich nicht vorgedrängelt haben bei der Preisvergabe. Fast ein Paradebeispiel für diese von der Musikgeschichte verurteilte Sanftmut ist Camille Saint-Saëns, der Schöpfer unter anderem der wunderbar-wundersamen Oper "Samson et Dalila" (die übrigens anno 1877 nicht, wie anzunehmen, in Paris, der Geburtsstadt Saint-Saëns', sondern in Weimar aus der Taufe gehoben wurde, durch Vermittlung von Liszt!), der Schöpfer auch von fünf zum Teil herrlichen Sinfonien, fünf gleichfalls zum Teil herrlichen Klavierkonzerten, eines reichhaltigen Orgel-Œeuvres sowie einer enormen Anzahl von ansehnlichen Werken für Kammermusikbesetzung. Tatsache ist: In der öffentlichen Wahrnehmung spielt Saint-Saëns bis heute nicht die Rolle, die ihm gebührt. Aber was soll's, seine Musik, in den meisterlich geformten Rahmen des Handwerks eingepasst, besteht für sich. Zumal wenn sie von Interpreten dargeboten wird, die der Saint-Saëns'schen Melange aus musikalischem Savoir-vivre, einer gehörigen Portion romantischer Leidenschaft und mediterranem Funkenschlag den rechten Ton zu geben vermögen.
Das französische Trio Wanderer setzt sich zusammen aus solch hochmögenden Interpreten. Vincent Coq (Klavier), Jean-Marc Phillips-Varjabédian (Violine) und Raphael Pidoux (Violoncello) bilden gleichsam ein magisches Dreieck, welches vor allem einen wesentlichen Punkt in den beiden Klaviertrios von Saint-Saëns entdeckt: den agogisch determinierten Fluss des Geschehens. Vieles, ja beinahe alles in diesen beiden Werken ist, trotz der Zeitspanne, die sie trennt (das op. 18 stammt von 1864, das op. 92 von 1892), trotz unterschiedlicher Kolorierung, trotz diversen Tongeschlechts und Charakters, diesem musikalischen Maß untergeordnet. Was wir vernehmen, gleicht einem Gesang, der über den Wassern schwebt. Oder auch: tanzt. Mit Verve. Und vivace. Das Trio Wanderer spielt die beiden Werke aus diesem Geiste und aus einem Guss. Aus einem Atem. Kurz und gut: Drei wundervolle Sänger singen sich hinaus aus der Welt, hinein in eine andere Welt. Es ist die Welt der Phantasie. Und die kennt bekanntlich keinerlei Ungerechtigkeit. Grandios das Ganze. Mithin preisverdächtig. Und eine Hommage an Camille Saint-Saëns.

Tom Persich, 11.06.2005



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