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Camille Saint-Saëns

Der Karneval der Tiere

Roger Willemsen, Anna Walachowski, Ines Walachowski, Staatskapelle Halle, Karl-Heinz Zettel

Eichborn/Naxos LIDO 1001
(57 Min., 7/2003) 1 CD

Ob Günther Jauch oder Norbert Blüm: alle müssen sie Zwischentexte zu Saint-Saëns "Karneval der Tiere" lesen. Dabei gehört der Dauerbrenner sicher nicht zu denjenigen Werken von Saint-Saëns, die Neueinspielungen und prominente Fürsprache am bittersten nötig haben. Doch offenbar ist man sich unter Musikproduzierenden einig, dass man Klassikfreunde von Zeit zu Zeit mit Hilfe von aktuellen Fernsehnasen daran erinnern sollte, dass sie und ihre Lieblingsstücke noch am Leben sind. Roger Willemsen, den seine Fans gerne als letzten Intellektuellen des deutschen Fernsehens feiern, hat es sich dabei nicht leicht gemacht: Statt auf Loriots klassisch gewordene feinhintergründige Version zurückzugreifen, stieg der Lockenkopf mit der Schwiegersöhnchenmiene gar mit eigenen Versen in die Bütt. Durchaus löblich sein Ansatz, dem Affen etwas mehr Zucker zu geben und dem Klassikbusiness mittels des Bestiariums einen frisch polierten Spiegel vorzuhalten - vom Känguruh als Crossover-Spezialist bis zum frustrierten Orchestervollzeitstellenbesitzer als Schildkröte (wofür es allerdings auch schon die Bezeichnung “Tuttischwein” gibt). Doch leider nehmen selbstverliebt geschraubte Gedankengänge und mäandernde Assoziationsketten den aktuellen Bosheiten meist die satirische Spitze. Und wo es wirklich konkret werden könnte, da fällt Willemsen außer André Rieu, dem Dirigenten Barenboim und ein paar plumpen Auslassungen über das geriatrische Publikum wenig Originelles ein. Das Staatsorchester Halle zeichnet seine Tierporträts dagegen höchst lebendig und mit lockerem, frischem Strich: Gut gebrüllt, Löwe!

Carsten Niemann, 13.12.2003



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