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Juan de Anchieta

Missa Sine Nomine, Salve Regina

Capilla Peñaflorida, Ministriles de Marsias, Josep Cabré

Naxos 8.55 5772
(67 Min., 10/2000) 1 CD

"Er interessierte sich nicht für Rätselspiele, sondern für Klang" - das jedenfalls meinte der Musikwissenschaftler Robert Stevenson über den spanischen Komponisten Juan de Anchieta (1462 - 1523). Und tatsächlich halten Anchietas "Missa Sine Nomine" und das kleine, aber feine "Salve Regina" (neben anderen kleinen Stücken teils anonymer Zeitgenossen, die den Messritus vervollständigen) in dieser Aufnahme mehr, als der bloße Notentext verspricht. Anchieta nimmt mit saftigen Harmonien aus schlichten Grundakkorden ein, während besonders über die Vielfalt der Stimmkombinationen das Interesse des Hörers erhält. Für klanglichen Reichtum sorgen in dieser Interpretation darüber hinaus die Instrumentalisten der Ministriles de Marsias, die einzelne Linien mit diversen Blasinstrumenten doppeln und geschmackvoll verzieren. Sowohl dieses Vorgehen wie die Besetzung des Chors mit je drei Sängern pro Lage sind sicher eines Komponisten angemessen, der in Diensten der spanischen Königinnen Isabella und Johanna über denkbar üppige Besetzungen verfügte. Dass der Zeitgenosse des überragenden Josquins und Landsmann des berühmteren Juan del Encina nun aber tatsächlich auch erste königliche Wahl war, das hätten die Interpreten durch eine nicht nur gute, sondern außerordentliche Leistung beweisen müssen: so verdeckt gerade im Zusammenspiel mit den Bläsern bisweilen modernes Rhythmusdenken ein wenig den ruhigen Puls der noch immer dem meditativen Choral verpflichteten Musik und bisweilen geraten die Klangwolken etwas zu irdisch kompakt. Für alle diejenigen, die sich zur Horizonterweiterung als Hörer auch einmal mit dem Grafen- oder Herzogsrang zufrieden geben, taugt die CD aber durchaus.

Carsten Niemann, 01.12.1999



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