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Camille Saint-Saëns

Samson und Dalila

José Cura, Olga Borodina u.a., London Symphony Orchestra, London Symphony Chorus, Colin Davis

Erato/Warner Classics 3984-24756-2
(123 Min., 7/1998) 2 CDs

Unter den zwanzig Bühnenwerken von Camille Saint-Saëns hat sich einzig “Samson und Dalila” (1877) international durchsetzen können und ist mit zehn Gesamtaufnahmen relativ gut dokumentiert. Gleichwohl darf man der Neuaufnahme uneingeschränkt eine Daseinsberechtigung attestieren, ja sie braucht keinerlei Vergleich mit ihren Vorläufern zu scheuen. Das ist zunächst einmal das Verdienst von Colin Davis, der bereits 1989 das Werk eingespielt hat, was seine Vertrautheit mit der Partitur erklärt. Für die Klangsprache von Saint-Saëns, jene individuelle Mischung aus spätromantischem Farbenreichtum, vokaler Eleganz und klassizistischer Klarheit, besitzt er ebenso ein untrügliches Gespür wie für die wohlkalkulierte Disposition lyrischer Ruhepunkte und dramatischer Ausbrüche.
Fraglos verfügt der Tenor José Cura über eine charakteristische Stimme und bringt für die Partie des Samson den erforderlichen vokalen Biss mit, ohne den eine heroische Aura stimmlich nicht darstellbar wird. Allerdings dürfte seine Vorliebe, bei Aufwärtssprüngen die Töne von unten anzuschleifen, nicht nach jedermanns Geschmack sein. Olga Borodina besticht erneut durch ihr samtartiges Timbre, ihre Intonationssicherheit und ihr kultiviertes Legato; dass sie im Liebesduett verzichtet, die erotische Spannung durch vokale Exaltationen plausibel zu machen, spricht für ihren musikalischen Geschmack.

Norbert Christen, 31.01.1999



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