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Arcangelo Corelli

Violinsonaten Op. 5

Andrew Manze, Richard Egarr

harmonia mundi HMU 907298.99
(131 Min., 5/2001 - 8/2001, 2/2002)

Er war Klassiker aus Vorsatz: jahrelang feilte Arcangelo Corelli an diesem Set aus zwölf Violinsonaten, bevor er sie im Druck herausgab. Und die Mühe lohnte sich: ebenso wie seine Concerti grossi wurden auch diese Stücke zu Mustern ihrer Gattung, an denen sich die Komponistenkollegen noch nach Jahrzehnten orientierten - und das trotz der auch zur Barockzeit schnell wechselnden musikalischen Moden. Heute ist Corellis Bedeutung nicht mehr so deutlich im allgemeinen Bewusstsein: schon mancher leidlich fortgeschrittene Violinstudent mault, wenn man ihm die schlackenlosen, aber technisch nicht aufwändigen Sonaten des Römers auf das Pult legt. Doch seit einiger Zeit gibt es erfolgreiche Versuche, die Sensation von Corellis Publikation wieder erlebbar zu machen. 1992 zeigten Chiara Bianchini und das Ensemble 415 am Beispiel der Concerti Grossi, wie man beispielsweise Corellis modellhaft eingeführten und aufgelösten schlichten Dissonanzen so staunend zelebrieren kann, als wären sie uns so neu wie Corellis Zeitgenossen. Andrew Manze und Richard Egarr wählen einen etwas anderen Weg: Sie machen sich auch auf die Suche nach dem Teufelsgeiger, der Arcangelo Corelli als Interpret gewesen sein soll. Und so hören wir, dass die reine Konstruktion seiner Sonaten eine gewaltige Menge an improvisatorischen Verzierungen verträgt (auch im Cembalo!) - wobei die beiden Musiker jedoch immer einen Blick auf Corellis klare Formen freilassen. Dass dieses Traumduo dabei mit hörbar heutiger Ausdruckslust singen, trillern und harpeggieren kann, ohne die Delikatesse historisch informierter Tongebung aufzugeben - Corelli, der reine Teufel mit dem Engelsnamen, hätte es sicher gutgeheißen.

Carsten Niemann, 30.05.2003



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