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Storm Zone

Takashi Matsunaga

Blue Note/EMI 596 795-2
(47 Min., 8/2003) 1 CD

Wunderknaben der Klassik haben es leichter. Ihr jugendliches Ungestüm findet in den Nischen der Literatur stets adäquates Material. Doch wohin soll sich ein siebzehnjähriges, milchbärtiges Virtuosenwunder im Jazz denn wenden, wenn es sich nicht um einen Drummer handelt, bei dem ein alles beherrschendes Ungestüm stets willkommen ist? Eine Musik, in der unverkennbarer Ausdruck reifer Individualität als höchstes Qualitätskriterium gilt, macht es einem derartigen Newcomer nicht gerade einfach, zumal, wenn es sich um einen Pianisten handelt. Die vom jungen Keith Jarrett geprägte Epoche schwelgender, überbordender Pianistik ist gerade dabei zu Ende zu gehen. Die längst vergessene Saat eines Paul Bley scheint allenthalben aufzugehen. Was also ist zu halten von einem japanischen Teenager, der sich offen zu Michel Petrucciani bekennend mit ungenierter Freude am technischen Können zum Karrieresprung ansetzt? Dabei begrenzt er sich nicht auf die Pianistik, schreibt sich auch noch mit gleicher Unbekümmertheit die Themen selber, erläutert sie wortreich und liefert so unfreiwillig den Beleg, dass thematische Intention und Hörerfahrung so gar nichts miteinander zu tun haben müssen. Doch ein Schuft, wer Böses dabei denkt. Die Freude am Können, die mit all ihren komplexen Trioarrangements letztlich doch mitreißt, ist ein großartiges Versprechen für die Zukunft, wie es einst ja auch ein Terumasa Hino - auf einem anderen Instrument zwar - abgegeben hat. Wer bereit ist, die Storm Zones sportlich zu sehen, darf schon jetzt zurecht überschwänglich den Aufstieg eines neuen Jazzpianisten-Kometen feiern. Die Hoffnung jedenfalls ist gegeben, dass das Ausnahmetalent zu der inneren Reife finden möge, die letztlich seiner Ausdrucksfähigkeit die adäquate innere Tiefendimension zu verleihen vermag.

Thomas Fitterling, 01.05.2004



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