Responsive image

Live At Birdland

John Pizzarelli

Telarc/in-akustik 83 577
(131 Min., 9/2002) 2 CDs

Als John Pizzarelli vor zehn Jahren seine Weltkarriere startete, begleiteten ihn sein Bruder Martin am Kontrabass und der Pianist Ray Kennedy. Daran hat sich bis heute nichts geändert - und das verleiht dem Trio bei dem Konzertmitschnitt aus dem New Yorker Jazzclub "Birdland" eine durch nichts zu erschütternde Dichte und Geschlossenheit. Beim Beginn der Weltkarriere war der Entertainer 33 Jahre alt. Auf den Fotos des Covers zum zehnjährigen Bandjubiläum wirkt er inzwischen etwas älter als damals. Die Stimme aber, die ist so frisch wie eh und je, und sein Gitarrenspiel ist um einiges virtuoser als damals. Die Live-Aufnahmen vom 25. bis 28. September 2002 zählen denn auch zu den reizvollsten Entertainment-Aufnahmen der letzten Jahre. Unbefangen wie ein netter Junge von nebenan plaudert John Pizzarelli in seinen Ansagen. Kleine Anekdoten aus dem eigenen Leben und dem seiner Bandmitglieder würzen die Show, und in den Songs selbst nimmt er die in den Texten erzählten Geschichten ernst. Für ihn sind die Texte nicht nur Ansammlungen von Worten, sondern kleine Begebenheiten, die er liebevoll wiedergibt und doch - wo die Worte zu albern sind - mit leiser Ironie die nötige Distanz wahrt. Er scattet Melodien unisono mit der Gitarre, er holt seinen alten Duo-Partner Grover Kemble für zwei Titel auf die Bühne, er erinnert sich an die Vergangenheit, versinkt aber keinesfalls in Nostalgie. Seien es Klassiker wie "Gee Baby, Ain’t I Good To You", "Three Little Words" oder "It’s Only A Paper Moon" oder weniger bekannte Songs, stets bleibt er ein Entertainer, der im Hier und Heute lebt. So lange es Musiker wie John Pizzarelli und sein Trio gibt, bleibt das klassische Entertainment attraktiv. Hoffentlich kann dieses Trio auch noch seinen 25-jährigen Gründungstag in (dann wohl alter) Frische feiern.

Werner Stiefele, 02.08.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das ging fix! In Schumanns „Haushaltsbuch“ kann man nachlesen, wenn auch gewohnt kryptisch, wie rasch er mit der Arbeit an seinem Klaviertrio op. 110 vorankam: „1. Okt. 1851 Kompositionsgedanken, 2. Okt. Triogedanken, 3. Okt. 1. Satz fertig, 4. Okt. 2. Satz, 5. Okt. 3. Satz, Freude, 27. Okt. Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“ Dabei war Schumann sonst nicht unbedingt ein Schnellschreiber wie etwa Mozart. Doch die vier Sätze wirken wie aus einem Guss, wie in einem Schaffensrausch zu […] mehr »


Top