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The House That Trane Built - The Story Of Impulse Records

Diverse

Impulse/Universal 80006680-02
(224 Min., 1960 - 2004) 4 CDs

Es ist zwar eine schöne Marketing-Idee, das Label "Impulse" als "The House That Trane Built" zu bezeichnen, aber ganz korrekt ist die einprägsame Formulierung nicht. John Coltrane ist zwar im Katalog am häufigsten vertreten, und er ist auch der bekannteste der Impulse-Jazzer. Entsprechend ausführlich wird er in der Dokumentation präsentiert. Den ersten Hit bescherte dem Label der Soulsänger Ray Charles mit "One Mint Julep" - und der fehlt in der Dokumentation der exzellenten Jazznummern des Labels. Die beiden Produzenten aus der großen Ära des Labels - der kurz nach der Vertragsunterzeichnung von John Coltrane zu Verve abgewanderte Creed Taylor und der für die Blütezeit verantwortliche Bob Thiele - sowie ihre Nachfolger Ed Michel, Steve Backer und Esmond Edwards hatten ein großartiges Gespür dafür, was einerseits neu war und andererseits doch nicht so abgefahren, dass sich das Publikum verweigert hätte. Dazu gehören Romantiknummern wie "Forest Flower - Sunrise / Forest Flower - Sunset" von Charles Lloyd, "Where Flamingos Fly" von Gil Evans, "Stolen Moments" von Oliver Nelson und "Honeysuckle Rose" von Benny Carters großartigem Album "Further Definitions". Darüber hinaus finden sich mit "War Orphans" von Charlie Haden und dem Liberation Music Orchestra Erinnerungen an die politisch heißen Phasen der Jazzgeschichte, während Auszüge aus Coltranes "A Love Supreme" und das vollständige "The Creator Has a Master Plan" von Pharoah Sanders für die Sinnsuche der 1960er und 1970er Jahre stehen. Es gibt harte Kost wie Albert Aylers "Our Prayer" zu hören, aber auch exzellenten Mainstream wie "Salt and Pepper", ein hitziger Saxofon-Battle von Paul Gonzalves und Sonny Stitt oder Earl Hines Coverversion von Duke Ellingtons "Black and Tan Fantasy", eingespielt mit dem Kern von Ellingtons Orchestra. Aus den Zeiten nach Thiele stammt Keith Jarretts "The Rich (and the Poor)" und - als einzige Neuproduktion nach dem vorläufigen Labeltod 1977 - das von John Coltranes Sohn Ravi Coltrane produzierte "Walk With Me" seiner Mutter Alice Coltrane. Wer Highlights aus dem Impulse-Katalog hören möchte, ist mit den vier Scheiben sehr gut bedient.

Werner Stiefele, 25.08.2006



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