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L’Histoire des Big Bands

Diverse

Le Chant du Monde/harmonia mundi LDX 5748481
(2/1914 - 12/1955) 10 CDs

Wie gliedert man am besten eine Jazzgeschichte? Die Franzosen André Francis und Jean Schwarz entschieden sich für die einfachste – und zugleich ungewöhnlichste – Form: Ausschließlich nach Aufnahmedatum. Für das Label "Le Chant du Monde" stellten sie Boxen zusammen, die Themen wie "Piano Jazz" oder "Vocal Jazz" oder einzelne Jahre beleuchten. Dass sie nie nach Stilen oder sonstigen Merkmalen gruppierten, machte ihre (Sammel-)Arbeit einfacher. Nun stellen sie einen gewaltigen Steinbruch von 228 Bigbandtiteln auf zehn zwischen 75 und 79 Minuten langen CDs zur Verfügung. Die Auswahl ist exzellent; sie reicht von Europe’s Society Orchestra bis zur neunköpfigen Formation von Billy Byers, und dazwischen tummelt sich mit repräsentativen Aufnahmen so ziemlich alles, was Rang, Namen und Bigband hatte: Louis Armstrong, Count Basie, Benny Carter, die Dorsey-Brüder, Duke Ellington, Dizzy Gillespie, Benny Goodman, Lionel Hampton, Fletcher Henderson, Woody Herman, Earl Hines, Stan Kenton, Jimmie Lunceford, Benny Moten, Buddy Rich, Shorty Rogers, Artie Shaw, Claude Thornhill, Chick Webb, Paul Whiteman und viele, viele andere. Detaillierte diskografische Angaben und ein Register nach Bandleadern erschließen die Materialfülle: ein Plus. Die Kommentare zu den einzelnen Titeln fallen dagegen eher dürftig aus. Wertvoll ist die Sammlung für all jene, die in Jazzgeschichtsbüchern von großen Aufnahmen lesen, diese jedoch bislang nicht in der Sammlung hatten. Die Wahrscheinlichkeit, diese Titel in der einen oder anderen Edition zu finden, ist groß. Wertvoll ist sie auch in anderer Hinsicht: Der permanente Stilwechsel ruft ins Gedächtnis zurück, dass die Jazzgeschichte keinesfalls als linearer Fortschritt gesehen werden kann, in dem ein Stil auf den anderen folgt. Das Vergangene ist in der Gegenwart lebendig, und das Neue ist oft in einer kleinen, in der Masse der Einspielungen kaum erkennbaren Nummer zu entdecken. Andererseits beinhaltet vieles, was "alt" erscheint, kleine, feine, höchst moderne Elemente.

Werner Stiefele, 19.05.2007



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