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Great Connection

Oscar Peterson, Niels Henning Ørsted-Pedersen, Louis Hayes

MPS/Universal 9827017
(42 Min., 10/1971) 1 CD

Den 80. Geburtstag des berühmtesten lebenden Jazzpianisten begeht Universal mit der Wiederveröffentlichung einiger seiner klassischen Alben für das Label MPS. Die Abkürzung hieß eigentlich "Musikproduktion Schwarzwald", steht aber inzwischen für "Most Perfect Sound". Zu Recht: In den prädigitalen 60er und 70er Jahren (ja noch heute) symbolisierten sie einen Apex der Aufnahmetechnik. Gerade der von Hans Georg Brunner-Schwer aufgenommene Sound des MPS-Flügels wurde legendär, und damit zusammenhängend alles, was Peterson darauf zauberte. Mag es das berühmte Instrument sein, die Aufnahmetechnik oder schlicht Petersons Freude darüber, unter optimalen Bedingungen aufzunehmen. Wir vernehmen bei diesen Einspielungen neben der gewohnten makellosen Brillanz, dem mitreißenden Swing Petersons ein schwer zu fassendes, zusätzliches Moment (nennen wir es Lebendigkeit, Farbigkeit und Wärme des Klavierklanges), das uns erleichtert, hinter der glänzenden Fassade auch die Gefühlstiefe zu erkennen, die dem ultravirtuosen Spiel des Kanadiers allzu oft abgestritten wird. Versprühte das Album nicht vitale, optimistische Musik, man könnte melancholisch werden, nicht etwa, weil Oscar Peterson, der nach seinen Schlaganfällen tapfer weiter musiziert, nicht mehr dieser Pianist von einst ist. Es ist sein letztes MPS-Album und zugleich sein erstes Album mit dem Bassisten Nils Henning Ørsted-Pedersen, der 2005 erst 58-jährig einem Herzinfarkt erlag, aber damals mit 25 tatsächlich noch (wie das erste Stück heißt) "Younger Than Springtime" war, aber schon seit 11 Jahren Profimusiker! Peterson langjähriger Bassist Ray Brown war es, der dem in Jazzkreisen bereits weltbekannten Musiker zum größten Durchbruch verhalf, indem er ihn Peterson anempfahl mit den Worten: "Das ist der einzige, den ich kenne, der vielleicht mit Dir mithalten kann." Peterson, mit dem Pedersen vor allem 1974 bis 1987 regelmäßig tourte, schloss 1968 bei einer Tournee den seiner Meinung nach "vielleicht einfallsreichsten Bassisten des Jazz", dessen Virtuosität die jedes anderen Bassisten übertreffe, für immer ins Herz. Zwei Geistesverwandte, die jeweils Wieselflinkesten auf ihrem Instrument, sind schon auf dieser ersten gemeinsamen Platte ein Herz und eine Seele, der jüngere Däne zwar schon im Vollbesitz der Meisterschaft, aber doch noch eher behutsam dienend, was zu seinem später so selbstbewussten, gleichrangigen Auftreten kontrastierte. Petersons früherer Drummer Louis Hayes, schon bei Horace Silver und Cannonball Adderley einer der besten Sidemen unter den Drummern, ist der dritte der "Great Connection", die aus welchen Gründen auch immer, nie wieder in dieser Form zusammen trat. Er assistiert meisterlich beim Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Marcus A. Woelfle, 24.09.2005



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