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Solo ’75

Oscar Peterson

Eagle Vision/Edel Contraire EREDV 459
(45 Min., 7/1975) 1 DVD

Nur äußerst selten ließ sich Oscar Peterson überreden, solo auf die Bühne zu gehen. Der 17. Juli 1975 war ein solcher Ausnahmetag - und dies auf dem Jazzfestival von Montreux. Im Trubel der Veranstaltung wurde wohl versäumt, den Flügel optimal zu präparieren - schade, denn Peterson spielte so inspiriert und kunstvoll, dass man dies gerne auf einem besseren Instrument gehört hätte. Er ignoriert die Unzulänglichkeiten, getreu seiner von seinem Lehrer Paul de Marky übernommene Devise: "Achte dein Instrument. Bringe es dazu, so zu klingen, als ob es dich lieben würde. Dann liebt es dich auch. " Oscar Peterson gibt sich hin und das Instrument folgt ihm: ein großartiges Erlebnis. Wie Oscar Peterson die Linke einsetzt, wie sie von stride-artigen Figuren ins Melodiespiel wechselt, wie sich Melodien der Linken und Rechten begegnen, ist einzigartig. Kleine Pausen wirken, als höre die eine Hand der anderen zu, um darauf zu antworten: Insofern ist sein Spiel ein permanenter Selbst-Dialog. Oscar Peterson streichelt die Tasten, er hämmert die Saiten, er verzaubert mit einer unendlichen Fülle von Gefühlsnuancen. Nach Klassikern wie "I Wished On The Moon", "Mirage" der "Indiana" huldigt er dem Altmeister Duke Ellington mit einem brillanten Medley auf Titeln wie "Take The A Train", "In A Sentimental Mood", "Satin Doll" oder "Caravan": eine großartige Ehrbezeugung des größten Jazzpianisten gegenüber dem größten Jazzkomponisten. Wie oft bei Videos aus den 1970er Jahren ist das Bild etwas unscharf. Die Kameraführung entschädigt, denn sie fokussiert oft Petersons Hände - und was die so treiben, ist nahezu unvorstellbar.

Werner Stiefele, 04.02.2006



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