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Winter Moon

Art Pepper

Galaxy/ZYX OJCCD 0 90204 97575 2
(58 Min., 9/1980) 1 CD

Ob Charlie Parker oder Lee Konitz, Coleman Hawkins oder Ben Webster - fast alle großen Saxofonisten des Jazz erfüllten sich irgend wann einmal den (für ihre Fans oft schwer zu verstehenden) Wunsch, mit einem Streichorchester aufzunehmen.
Selten waren die Strings so überflüssig wie auf diesem Album des späten Art Pepper. Nicht dass die Streicherparts (wie es bei solchen Gelegenheiten oft der Fall ist) all zu kitschig ausgefallen wären, sie tragen lediglich in ihrer dezenten Belanglosigkeit, die gerade als Kontrast zu Peppers ausdrucksvollem Spiel umso mehr auffällt, nichts Substanzielles bei. Ihr Fehlen würde nicht nur nicht vermisst, es würde das Album nur aufwerten. Stellenweise hat man sogar das Gefühl, dass die Mitglieder des Pepper-Quintetts - Stanley Cowell, Howard Roberts, Cecil McBee und Carl Burnett - von den Sreichern eher gebremst als animiert werden. Schade, stammen doch einige der Arrangements von Bill Holman, der wohl selten so einfallslos zu Werke ging - "So, und nun eine Minute hohes c ..." Immerhin wurde der Streicher-Teppich anno 1980 noch von leibhaftigen Musikern gespielt.
Trotzdem steht dieses lyrisch verträumte, leicht trübe Album in gutem Ruf. Das liegt wohl allein an Pepper, der hier zumindest nicht schlechter spielt als auf anderen Alben seiner letzten Jahre. Die herbe Melancholie seines Sounds, die im Spätwerk auffällige Tendenz von schlichter verhaltener Innigkeit aus immer wieder kurz in lebhafte dissonante Gefilde auszubrechen sind ein gutes Gegengift gegen jene Form von Sentimentalität, zu der das Genre verlocken könnte. Peppers durchweg aufrichtiges Alt- und Klarinetten-Spiel kommt im Repertoire aus zum Teil recht bluesigen Balladen, auf Stücken wie "Blues In The Night" oder dem Titelsong gut zur Geltung. Man kann sogar die Liebe zu seiner Frau Laurie, der Peppers "Our Song" wohl gewidmet ist, deutlich heraushören.

Marcus A. Woelfle, 03.01.2002



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