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Songs, Stories & Spirituals

John Patitucci

Concord CCD-2149-2
(61 Min.) 1 CD

Bekommt der Jazz seine Kunstliedvariante? Fast will es so scheinen, wenn die Sängerin Luciano Souza auf John Patituccis Platte ”Songs, Stories & Spirituals” eine Bearbietung von Gustav Holsts ”In The Bleak Midwinter” intoniert. Nur: Das Arrangement ist banal, und die Sängerin sowie ihr Kollege John Thomas müssten noch viel lernen, um sich tatsächlich unter den Kunstliedvirtuosen behaupten zu können. Auch auf dieser Platte ist es wie so oft, wenn Jazzer meinen, das angestammte Genre verlassen zu müssen. Es kommen halt doch nur ebenso ambitionierte wie halbgare Zwitter heraus. Dann werden - wie in ”Three Faces” - Flöten und akustische Gitarre ins Geschehen gemischt oder die Sängerin ist - wie in ”Now The River” ziemlich überfordert und piepst im textfreien Vokalgesang durch die Melodien. Da klafft eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit - und dies gilt auch für die aufgeplusterte instrumentale Quartettnummer ”Rhapsodic Journey” oder das sülzige Piano-Cello-Duo ”Love Eternal” aus John Patituccis Feder, das seine Ehefrau Sachi mit dem Pianisten Ed Simon interpretiert. Wer ernsthaft Kammermusik schreiben will, sollte sich etwa so intensiv mit den Möglichkeiten des Genres befassen, wie sich John Patitucci mit dem Spiel auf dem Kontrabass auseinandergesetzt hat. Denn dass er ein hervorragender Musiker ist, verdeutlicht das stimmungsvolle ”Tall Tale”, mit dem er im Trio mit dem Pianisten Ed Simon und dem Schlagzeuger Brian Blade die Disc eröffnet. Die ist zwar sehr kunstvoll gedrechselt, funktioniert aber deshalb hervorragend, weil die drei nicht mehr als klug geplanten Jazz machen wollen. Es bleibt dabei: Der Jazz verträgt anscheinend keine Kunstlied-Variante.

Werner Stiefele, 17.05.2003



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