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Solo

Gonzalo Rubalcaba

Blue Note/EMI 331 260-2
(51 Min.) 1 CD

Für den kubanischen Pianisten Gonzalo Rubalcaba ist die Kluft zwischen Jazz und Klassik nicht so hoch wie für viele europäische oder amerikanische Musiker. Auf seiner Soloplatte stellt er unter anderem zwei besinnliche Wiegenlieder vor: den "Canción de Cuna del Niño Negro", ein "Wiegenlied für ein schwarzes Kind" von Amadeo Roldán und "Canción para Dormir en el Sillon" von Sergio F. Barroso. Diese leisen, ausgearbeiteten Stücke stehen gleichberechtigt mit einer ruhigen, in sich gewandten Bearbeitung von Charlie Hadens "Silence" oder dem von Rolando Bueno komponierten "Sueña den Muñecas", einem zerbrechlich wirkenden "Traum der Puppen". Zurückhaltend setzt der Pianist Gonzalo Rubalcaba die Töne, mit fein nuancierter Dynamik entfalten sie sich, und manchmal rasen sie auch los, verharren, verdichten sich zu Akkorden und machen den Hörer - auch Dank der nüchternen, den Nachhall des Instruments betonenden Aufnahmetechnik - zu Zeugen intensiver Selbstgespräche. Selbst der Jazzklassiker "Here’s That Rainy Day" und der Schlager "Besame Mucho" haben diese introvertierte Qualität. In unregelmäßiger Folge sind vier Improvisationen zwischen die komponierten Titel geschaltet. Auch in ihnen offenbart der Kubaner eine romantische Seite, die seine Platten mit Band sonst weniger spüren lassen. Selten gelingt einem Jazzmusiker eine derart stilvolle, vom ersten bis zum letzten Ton milde, verhalten herzliche Platte.

Werner Stiefele, 25.03.2006



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