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Easy Living

Enrico Rava

ECM/Universal 981 2050
(54 Min., 6/2003) 1 CD

Enrico Rava hat seinen Miles Davis studiert. Das verriet unter anderem 2002 seine Platte "Enrico Rava Plays Miles Davis". Auf der Scheibe "Easy Living" ist dies vor allem Ravas melancholischem, klarem, von unnützem Vibrato freiem Balladenton anzumerken. Sein fester, hoher, obertonreicher Klang verleiht dem Standard "Easy Living" eine ungewöhnliche, gefühlvolle, Dank der sparsamen Begleitung durch den Schlagzeuger Roberto Gatto und den Pianisten Stefano Bollani fast andächtige Atmosphäre. In den meisten anderen Stücken hat er im Posaunisten Gianluca Petrella einen zweiten Bläser neben sich, dessen voller, runder Sound in einem wirkungsvollen Kontrast zu Ravas eigenen, grazileren Tönen steht. Dieser Gegensatz wird vor allem im rasanten, höchst vergnüglich mit nordafrikanischen Drehwurmmelodien kokettierenden "Algir Dalbughi" deutlich. Dies sowie "Hornette And The Drums Thing" sorgen für temporeichere Farbe im ansonsten von Balladen geprägten Album. Dabei sind die Bezüge auf Miles Davis nur in Enrico Ravas Intonation zu spüren. Die Nummern insgesamt sind wesentlich moderner als Miles` klassische Balladen angelegt, und Ravas Band swingt weitaus offener und weiträumiger als das klassische Quintett des Trompeters, der sich zu Beginn der 60er Jahre erst das Terrain erobern musste, von dem aus Ravas Quintett seine spannenden Klangreisen startet. Im Gegensatz zu Miles kann der Italiener auf die nach der Free-Phase des Jazz gefundenen, tranceartigen, magischen Grooves zurückgreifen. Dies macht es so einfallsreich und konsequent, dass einen die Band vom ersten bis zum letzten Titel nicht mehr loslässt.

Werner Stiefele, 22.05.2004



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