Responsive image
John Blow

Venus and Adonis

Rosemary Joshua, Gerald Finley u.a., Orchestra of the Age of Enlightenment, René Jacobs

HMF/Helikon HMC 901684
(51 Min., 10/1998) 1 CD

„Höflinge, ihr habt keine Treue / Ihr wechselt, so oft ihr nur könnt: / Eure Frauen, ja, sie bleiben treu /, Bis sie einen anderen Mann erblicken“ – so jedenfalls ist es am Hofe des britischen Königs Karl II. zugegangen, glaubt man dem Amor im Prolog von John Blows Oper „Venus und Adonis“. Treu bis in den Tod hingegen bleibt hier Venus ihrem Adonis – was der Liebesgöttin nicht schwer fallen sollte, ist das Werk doch schon nach einer knappen Stunde vorbei.
Die Engländer des 17. Jahrhunderts hatten keine Geduld für dieses ganze Gesinge. Blow, der Lehrer Purcells, ist ein Meister der Beschränkung, entfaltet auf kleinstem Raum eine verblüffende Vielfalt von Stimmungen, Szenen, theatralischen und musikalischen Einfällen. Da wird in pastoral-volksliedhaftem Gestus die freie Liebe besungen oder die kleinen „Cupids“ erhalten eine unglaublich witzig auskomponierte Unterrichtsstunde, die in der vorliegenden Aufnahme von den Knaben des Clare College vollkommen unfromm-rotzig nachbuchstabiert wird.
Eine sich zunehmend verfinsternde Chaconne leitet aus solch buntem Treiben über in eine ergreifende Sterbeszene des wilden, schönen Jägers, in der Adonis (Gerald Finley) zwar – was in der Natur der Sache liegt – nicht mehr viel zu melden hat, wo aber Venus (Rosemary Joshua) göttlich-groß und doch menschlich rührend ihren Verlust betrauert. Eine Aufnahme, mit der René Jacobs wieder einmal ein großer Wurf gelungen ist.

Stefan Heßbrüggen, 31.05.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Wo kam das auf einmal her? Fragte man sich, als im November vergangenen Jahres dieser Schubert-Zyklus mit Nikolaus Harnoncourt und dem Chamber Orchestra of Europe aus den ORF-Archiven wie von Zauberhand wiederauftauchte. Harnoncourt war mit dem Kammerorchester eng verbunden, die Schubert-Sinfonien hatte er beim von ihm gegründeten Styriarte-Festival in Graz 1988 wellenschlagend dargeboten. Nun ist der Live-Mitschnitt auf 4 CDs erhältlich. Sowohl der Dirigent als auch das Orchester beweisen […] mehr »


Top