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Béla Bartók

Sonaten für Violine und Klavier

Christian Tetzlaff, Leif Ove Andsnes

Virgin/EMI 545 668-2
(78 Min., 1/2003) 1 CD

Eigentlich müsse man erst einige Seiten lesen, bevor man diese gleichermaßen anregende wie anstrengende Aufnahme hört. Und zwar einen Aufsatz des Musikschriftstellers Béla Bartók mit dem Titel "Der Einfluss der Volksmusik auf die heutige Kunstmusik" von anno 1920, abgedruckt in der Zeitschrift "Melos", geschrieben mit dem Ziel, Werke des Komponisten Béla Bartók besser rezipieren, besser einordnen zu können. Denn in selbigem Essay erläutert Bartók, zu welchen (durchaus erlaubten) Mitteln der stilistisch-kompositionstechnischen Assimilation er bei der Komposition der Werke aus dieser Zeit , also Anfang der 1920er Jahre, griff, um warum, mit welchem Recht, er es tat.
Das Amalgam aus Zwölftontechnik, einer allerdings milden Prise Debussy und erheblicher Portion Pentatonik dürfte nicht jedermanns Sache sein. Zumal beide Interpreten, der famose Geiger Christian Tetzlaff und sein mit ihm wunderbar harmonierender Partner, der Pianist Leif Ove Andsnes, uns eben auch gar nicht den Gefallen tun, die beiden Sonaten für Violine und Klavier durch eine spätromantische Lesebrille schauend darzubieten. Ganz im Gegenteil: Trocken wie die Wüste Gobi ist der Klang über weite Strecken, fahl, mit gezielt gesetzten, farblich nuancierten Akzenten versehen, gerne auch silbrig. Tetzlaff lässt das Vibrato, Andsnes das Pedal in Ruhe. Das Ergebnis ist ein Bartók von wohltuender Plastizität und, wo vonnöten, auch harschem, ja aggressiven Tonfall. Kein Rausch, nirgends. Ganz klar ein Fall für Bartókisten. Was die feinnervige Interpretation der Solo-Sonate durch Tetzlaffs nur bestätigt.

Tom Persich, 07.08.2004



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