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Béla Bartók

Die Streichquartette

Végh-Quartett

Naïve/Helikon Harmonia Mundi AV 4870
(4/1972, 6/1972) 3 CDs

Mit harter Hand und ungarischem Charme hat Sandor Végh als Dirigent die Salzburger Camerata Academica zu einem der weltbesten Kammerorchester erzogen. Dass diese orchesterpädagogische Glanzleistung sich auch einer überragenden geigerischen Fachkompetenz verdankte, mochten die Kenner seinem Dirigat anhören. Nun kann man sich aber auch direkt ein Bild machen, dank der Wiederveröffentlichung einer Aufnahme aller sechs Bartók-Streichquartette aus dem Jahr 1972.
An der Uraufführung des fünften Bartók-Quartetts im Jahr 1936 hat Végh im Ungarischen Streichquartett selbst mitgewirkt. Vier Jahre später hat er sein eigenes Ensemble gegründet und damit weiter Kammermusikgeschichte geschrieben. Wie aber klingt solch “authentischer” Bartók? Sehr gemessen: Folklorismen werden zwar mit einer gewissen Selbstverständlichkeit ausgespielt, aber nie übertrieben. Auch die modernistischen Härten etwa des dritten Quartetts werden von Végh und seinen Mitstreitern in ein ausgesprochen mildes Licht getaucht: sozusagen eine k.u.k. Interpretation, die mehr die melodische und rhythmische Schönheit dieser Musik als ihre expressive Radikalität betont. Die Einspielung des Végh-Quartetts ist damit eine wertvolle Ergänzung zu meiner Referenzaufnahme mit dem Takács-Quartett (siehe Rezension).

Stefan Heßbrüggen, 21.06.2001



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