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Béla Bartók

Klavierkonzerte Nr. 1 - 3

András Schiff, Budapest Festival Orchestra, Iván Fischer

Teldec/Warner Classics 0630-13158-2
(76 Min.) 1 CD

Das ist heutzutage schon bemerkenswert: András Schiff erklärt seinen Hörern in einem eigenen Beiheft-Beitrag, warum er diese Platte für notwendig hält, und übt durch die Blume ziemlich harsche Kritik an seiner Kollegenriege: Die hätten nämlich Bartók vorschnell dem Diktat eines immerwährenden „Barbaro“ unterworfen. Bei Schiff und Iván Fischer hingegen werden die Wurzeln Bartóks in der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts offengelegt: die drei Klavierkonzerte als die letzte Synthese von großer sinfonischer Form und folkloristischem Stoff.
Das Ergebnis ist schlicht phänomenal. Gleich im ersten Satz des ersten Konzerts steigert das Budapester Festivalorchester den Druck so entfesselt wie eine transsylvanische Hochzeitskapelle, überstrahlt von glänzenden Blechfanfaren. Und András Schiffs Flügel tänzelt leichtfüßig zwischendrein. Auch in den Ecksätzen des zweiten Konzerts wüsste man als Hörer kaum, wo einem der Kopf steht, wenn Schiff nicht mit Bedacht immer wieder „Inseln der Kantabilität“ schüfe. In seinem Text erzählt Schiff, wie intensiv sein musikalischer Werdegang seit früher Kindheit mit Bartóks Musik verknüpft ist; kein Wunder, dass bei ihm alle schrägen Taktvorzeichnungen quasi von selbst ablaufen, während man bei manchen Kollegen doch deutlich hört, wie sehr ihnen das Grübeln in den Fingern sitzt.
Das geheime Kraftzentrum des dritten Konzerts liegt im langsamen Satz, dem berühmten „Adagio religioso“: Aus dieser Kontemplation strahlt Schönheit in alle Winkel des Werks. Wie Bartók 1945, kurz vor seinem Tod, der dunkelsten Zeit unseres Jahrhunderts zum vielleicht letzten Mal gültige Sinfonik abringen konnte, das empfinden Schiff und Fischer mit Herzblut nach. Eine Produktion, die Maßstäbe setzt.

Stefan Heßbrüggen, 31.01.1997



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