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Béla Bartók

Werke für Soloklavier (6)

Zoltán Kocsis

Philips 462 902-2
(61 Min., 2/1980, 8/1998) 1 CD

Eigentlich traurig, dass wir einige der größten Kostbarkeiten der Klaviermusik des 20. Jahrhunderts erst dann würdigen und konzentriert hören, wenn einer der ganz bedeutenden Pianisten uns darauf stößt. Hinter so trockenen Titeln wie „Zehn leichte Klavierstücke“ oder „Sieben Skizzen“ verbergen sich einige der poetischsten und revolutionärsten Kompositionen, die Bartók vor dem 1. Weltkrieg schrieb. Er gibt sich darin nicht als hämmernd Entfesselter des „Allegro barbaro“, sondern so zart dissonant wie Debussy, schreibt ergreifend schlicht harmonisierte Volksweisen, aber auch seltsam fremde Klangstudien, in denen nichts Folkloristisches anklingt.
Zoltán Kocsis ist darum der wohl größte lebende Bartók-Interpret, weil er in seiner großartigen Werkschau eben alle Stimmungslagen seines Landsmanns ertasten konnte, nicht nur jene allbekannten seines perkussiven Vitalismus. Dieser Pianist, der „alles spielen kann“, wie immerhin sein nicht minder großer Kollege Glemser neidlos anerkannte, stattet die frühen, zugleich ins Atonale vordringende und doch durchaus der duftigen Verfeinerung des französischen Impressionismus huldigenden Stücke mit allem klanglichen Reichtum aus, wie er dem an der Grenze von Spätromantik und moderne experimentierenden Bartók vorgeschwebt haben wird, und über den Kocsis bei seiner Ersteinspielung 1975 auch noch nicht gebot. Wir wurden mit einer wunderbaren Klavierplatte beschenkt.

Matthias Kornemann, 09.03.2000



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