Responsive image
Béla Bartók, Sándor Veress, Endre Székely

Solo-Violinsonaten

Kolja Lessing

Capriccio/EMI 10 847
(57 Min., 5/1997, 11/1997) 1 CD

Diese CD ist das Gegenteil alles derzeit Gängigen. Hier finden sich nicht drei Tenöre, sondern drei Komponisten, von denen zwei nicht die Gnade der Popularität besitzen. Verantwortlich zeichnet ein Interpret, der nicht nur hervorragend Geige spielt, sondern auch komponiert, eine Professur innehat, musikwissenschaftlich publiziert - und zu dieser CD einen fundierten Text liefert.
Die Aufnahme ist schon vom Repertoire her so bedeutend, dass die Frage der Interpretation fast zweitrangig ist. Zoltán Székely (geboren 1903), Uraufführungs-Interpret des ihm zugeeigneten Zweiten Violinkonzertes von Bartók, langjähriger Primarius des Ungarischen Streichquartetts, komponierte die Sonate für Violine solo (sein erstes Werk) 1919/20, führte sie 1925 in Anwesenheit Schönbergs und Strawinskys mit großem Erfolg auf - und spielte sie nie wieder! Kolja Lessing suchte den Komponisten im Februar 1998 in Kanada auf, wo Székely “mit wertvollen Kommentaren zu Tempofragen die vorliegende Ersteinspielung seiner Sonate begleitete und autorisierte”.
Sándor Veress (1907-1992), Klavierstudent bei Béla Bartók und ab 1936 dessen Assistent an der Volksmusik-Abteilung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Lehrer von Kurtág und Ligeti, komponierte seine Sonate 1935. Sie erweist sich zwangsläufig als “Stützpunkt” auf dem Weg zu Bartóks Solosonate. Den Entwicklungsfaden Székely-Veress-Bartók “am Stück” zu zeigen, ist ein nicht hoch genug zu veranschlagendes Verdienst Lessings. Dass dies auf einer interpretatorischen Höhe geschieht, die keinen Vergleich zu scheuen braucht, gibt dieser Veröffentlichung ihren außergewöhnlichen Rang.

Wolfgang Wendel, 31.01.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Gab es einen größeren Goethe-Verehrer unter den Komponisten als Ludwig van Beethoven? Den Poeten lernte Beethoven 1812 kennen, da hatte er sich von dessen Werken schon längst zu eigenen Kompositionen inspirieren lassen, vor allem zu einer ausgedehnten Bühnenmusik zum Trauerspiel „Egmont“. Eine geniale Mischung aus Poesie bzw. poetischer Andeutung und musikalischer Ausgestaltung, aus Worten und Klang. Diese Musik habe er „bloß aus Liebe zum Dichter geschrieben“, meinte Beethoven in […] mehr »


Top