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Béla Bartók

Die sechs Streichquartette

Takács Quartet

Decca 455 297-2
(152 Min., 8/1996, 9/1996) 2 CDs

Dieses Ensemble ist für mich jetzt schon die Entdeckung des Jahres: Mit dieser Gesamteinspielung aller sechs Bartók-Streichquartette hat sich das Takács Quartet mühelos in die besten Ensembles der internationalen Szene eingereiht.
Warum? "In den Quartetten kondensiere ich bis zum äußersten", so Bartók 1937 zu einem Biografen. Und das trifft alle Dimensionen des musikalischen Kunstwerks, die vom Takács Quartet hier mit virtuoser Selbstverständlichkeit im Gleichgewicht gehalten werden. Nie sonst komponierte Bartók so an der Grenze des Zumutbaren, was die Komplexität des Satzes und die Dichte des Ausdrucks betrifft.
Doch während viele glauben, diesen "Neutronensternen" in der Quartettliteratur des zwanzigsten Jahrhunderts einzig durch höchste Intensität in Tempo, Tongebung und Rhythmik gerecht werden zu können, haben die in Amerika lehrenden Ungarn die Lektion der Folklore wirklich begriffen: Erst wo beide Triebfedern der Volksmusik, das Melos und der Tanz, in gleicher Weise das musikalische Geschehen voranbringen, werden diese fragilen Gebilde stabil genug, um ihre ganze Schönheit aufscheinen lassen zu können.
So möchte man gerade die langsamen Sätze, diese nachtsüchtigen Gesänge und fast statischen Tableaus schon beim ersten Hören vollends anhalten, auf dass sie gar nicht mehr vergingen: Die außergewöhnliche Schönheit dieses Quartettklangs dient immer höheren Zielen. Und das wäre vermutlich auch im Sinne des Asketen Bartók gewesen, dessen Unbedingtheit sich diese Aufnahme in jedem Detail verpflichtet weiß.

Stefan Heßbrüggen, 28.02.1998



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