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Joseph Wölfl

Klaviersonaten op. 25 u. 33

Jon Nakamatsu

harmonia mundi/helikon HMU 907324
(69 Min., 8/2002) 1 CD

Tja, so ändern sich die Gewohnheiten. Zu seiner Zeit war Joseph Wölfl ein in ganz Europa gefeierter Pianist und Komponist, heute kennt ihn nicht einmal der Papst, und der kennt, als Vertreter des lieben Gottes auf Erden, eigentlich alle. Sei es, Wölfl lebte von 1773 bis 1812, darf also mit Fug und Recht als ein Zeitgenosse Beethovens gelten. Musikunterricht erhielt er bei Leopold Mozart und Michael Haydn, dem Bruder des großen Joseph. Mit dem Komponieren begann er mozartisch früh, in der Hauptsache Klaviersonaten, und lernte den Meister selbst auch kennen. Wölfls bewundertes Vorbild aber wurde Beethoven, mit dem er sich sogar einmal duellierte - wenngleich nur an den Tasten zweier Pianoforti. Beethoven soll das Spiel übrigens knapp gewonnen haben.
Womit wir bei der Aufnahme von Jon Nakamatsu angelangt wären. Beethoven stand gewiss Pate bei der Entstehung dieser Klaviersonaten, und Mozart im Nebenzimmer. An beide reicht Wölfls Kunst nicht heran. Das beginnt schon mit der Grundidee jeder Sonate: Sie zündet nicht, wirkt irgendwie hilflos; melodisch wie harmonisch ist da keine Raffinesse, und von der Durcharbeitung eines Beethoven ist Wölfl nun gar Lichtjahre entfernt. Dem Interpreten fällt dazu auch nicht das Allermeiste ein; einige Glanzlichter, gut, sonst aber viel Staub, viel Wirbel, viel unnütze Kraft. Mit Kafka gesprochen: Bei Wölfl gewesen, Sonaten hören. Nicht berührt. Rasch zum Plattenschrank. Beethoven aufgelegt.

Tom Persich, 28.02.2004



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