Ein wenig bekanntes und lange vergessenes Werk Kurt Weills ist die nüchtern-tragische Oper "Die Bürgschaft". Sie entstand zwischen 1930 und 1932 und wurde im März 1932 in Berlin uraufgeführt. "Die Bürgschaft" ist Weills letztes musiktheatralisches Werk vor seiner Flucht nach Frankreich 1933. Den Text erstellte er gemeinsam mit dem Bühnenbildner Caspar Neher in Anlehnung an die Parabel "Der afrikanische Rechtsspruch" von Johann Gottfried Herder. Formal besteht die zweieinhalbstündige Oper aus Prolog und drei Akten mit insgesamt 24 Einzelnummern, in denen den solistischen Protagonisten zwei - die Handlung kommentierende und erläuternde - Chöre gegenübergestellt sind.
Die CD entstand beim Spoleto-Festival in Charleston, South Carolina. Dem Solisten-Ensemble gehören Frederick Burchinal und Margaret Thompson an, die auch an deutschen Opernhäusern schon hervorgetreten sind. Die Aufnahmen entstanden in nur sechs Stunden zwischen zwei Aufführungen und spiegeln die Vor- und Nachteile solch eiligen Verfahrens wider. Positiv hervorzuheben ist vor allem die schwungvolle Rhythmik und Dynamik mit der hier über die volle Länge musiziert wird. Herausgearbeitet werden dadurch vor allem die jazz-nahen Elemente in Weills Musik: die oft unorthodoxe Phrasierung, die treibend-drängende Rhythmik, die Nähe der Musik zur Sprache.
Nachteilig ist der etwas undifferenzierte Klang der Einspielung. In den orchestralen Zwischenspielen hätte man zudem mit etwas mehr Zeit manche Stelle präziser darstellen können. Die Aufnahme trägt durch diese Vorzüge und Mängel Live-Charakter.

Thomas M. Maier, 13.04.2000



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