Responsive image
William Walton

The Quest (Ballett), The Wise Virgins (Ballettsuite), Siesta

English Northern Philharmonia, David Lloyd-Jones

Naxos 8.555868
(63 Min., 7/2001) 1 CD

William Walton war ein Komponist der theatralischen Geste, allerdings niemals hohl, immer von pointierter Substanz und üppiger Farbe (auch in seiner Kammer- und Konzertmusik). Nicht von ungefähr schuf er die illuminierendste Filmmusik der Insel, meist für Laurence Olivier.
Das Ballett "The Quest" (etwa: Suche, Auftrag) nach dem allegorischen Gedicht des Shakespeare-Zeitgenossen Edmund Spenser, "Die Feenkönigin", erweist sich denn auch als Schatzkästlein der unterschiedlichsten Stimmungen, bildkräftig und suggestiv, für ein kriegsbedingt reduziertes Orchester ohne jeden Farbverlust komponiert, zärtlich und grausam, innig und dramatisch - fast ein Film zum Hören. Die Geschichte ist eh so verschwurbelt, dass, wenn man sie auf ihren Kern reduziert, ein Film dabei herauskommt: Der Kampf des Guten gegen das Böse.
Die zweite Hälfte des Programms, nach dem Gelegenheitswerk "Siesta", ist von ganz anderer Natur: Hier wird nur der Klangmaler gefordert, Frederick Ashton vom Königlichen Ballett wollte die Bibelgeschichte der klugen Jungfrauen auf die Bretter bringen und erbat sich dafür Musik von - Johann Sebastian Bach. Kantaten zumeist und Choral-Vorspiele, Walton sollte sie arrangieren nur für Orchester, in etwa die Größe wie bei "The Quest". Derlei Bach-Arrangements gibt es ja viele, von Elgar über Stokowski bis hin zu Anton Webern, aber Walton ist einer der subtilsten und zugleich romantischsten Arrangeure, man höre nur, wie er in der Kantate "Schafe können sicher weiden" die Melodielinie sukzessive anreichert, sie anschwellen lässt durch das "natürliche" Crescendo von Solovioline, dann die Holzbläser, dann das Streichertutti. Und das (beinahe) Orchester-Scherzo zu "Ah! Wie flüchtig" geriet virtuos wie ein Mendelssohn'scher Elfenreigen.
Das Orchester aus Leeds und Lloyd-Jones zeigen sich als treffliche Waltonianer, kein Trick entgeht ihnen, aber was am meisten verblüfft an dieser Naxos-Aufnahme: Der Orchesterklang kann es mit dem Besten von Decca, Telarc oder Hyperion aufnehmen, was natürliche Perspektive und Raumklang angeht. Bravo!

Thomas Rübenacker, 05.09.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Was erlauben Patricia Kopatchinskaja? Mit Vivaldi hat dieses Album jedenfalls herzlich wenig zu tun, zumindest mit jenem barocken Konzertvielschreiber- und Vier-Jahres-Zeiten-Vivaldi, dessen Klangsprache man mittlerweile doch recht gut zu kennen glaubt. Zwar spielt die exzentrische, das Risiko liebende, nie Gewöhnliches abliefernde Geigerin auf „Whatʼs next, Vivaldi?“ offiziell dessen Solokonzerte – doch wie bitte tut sie das!? Die Tempi sind aberwitzig schnell, als ginge es um Rekorde. […] mehr »


Top