home

N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



Responsive image
Richard Wagner

Der Ring des Nibelungen - Eine Orgeltranskription

Hansjörg Albrecht

Oehms Classics 4 260034 866126
(64 Min., 2006) 1 CD, SACD

Wagner und Orgel!? Zwar finden sich im "Rienzi", "Lohengrin" und den "Meistersinger" Szenen mit dem Kircheninstrument (dessen Ursprünge ja bekanntlich auf römischen Volksfesten zu finden sind), ansonsten aber ist nichts von einer Liebe des Bühnendramatikers zur Orgel überliefert. Dass jetzt sogar (im Querschnitt) der "Ring" - diese urheidnische Parabel über göttliche und menschliche Machtversessenheit - mit einem Instrument präsentiert wird, das der normale Christenkopf unter der Rubrik "sakral" speichert, verlangt zunächst einige Gewöhnungs- bzw. Umdenkminuten.
Dann jedoch bietet das Unterfangen nicht nur Reize, seine Klangwogen können sogar berauschen. Die Version, die der sächsische Organist Hansjörg Albrecht im Verbund mit dem Toningenieur Martin Fischer nun auf den Orgeln von St. Nikolai in Kiel vorgelegt hat, ist nicht die einzige Orgeladaption des Wagner’schen Mythenspektakels, wohl aber die aufwendigste und ausgeklügelste. Schon der "Urton", mit dem Wagners Erzählung von der Pracht und dem Fluch des Rheingoldes anhebt, lässt den Hörer die mitgedruckte Warnung des Tontechnikers vor extremen Dynamikspitzen ernst nehmen: Mit diesem wummernden Kontra-Es bringt man auch noch den Stuck des Nachbarn zum Bröseln!
Sicher: Das dynamische Pulsieren der Wagner’schen Orchestersprache kann eine Orgel auch mit ausgetüftelster Register- und Schwelltechnik nicht hundertprozentig abbilden; und wohl ließe sich auch noch beckmessern, dass manche Passage - etwa beim Siegfried’schen "Waldweben" - allzu sehr pianissimo gehalten wurde und den Vibrato-Eindruck einer "Hammond"-Orgel nicht weit genug von sich weist. Doch was die Herren Albrecht und Fischer insgesamt an Klangfarben inszeniert haben, um Wagners Emphase gerecht zu werden, das fasziniert nicht nur den Orgelfan.
Dass neben Albrechts Virtuosität immer auch der technische Sachverstand Fischers mitzunennen ist, hat mit beider Konzept zu tun, das wahrlich "vielhändig" war: Durch das Übereinanderlegen mehrerer Aufnahmeschichten an der Haupt- und Nebenorgel zu St. Nicolai glaubt der Hörer nicht nur einen, sondern gleich mehrere Organisten am Spieltisch. So wurde man in Kiel nicht nur Wagners Riesenpartitur gerecht - wobei der "Trauermarsch" zu Siegfrieds Tod am meisten überzeugt -; der Hörer versteht auch sofort, warum man die Orgel seit jeher die "Königin der Instrumente" nennt.

Christoph Braun, 08.12.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


Abo

Top