Schon schön, dieser "Tannhäuser". Dass heißt - nicht so ganz. Wir lauschen. Und denken permanent an andere Aufnahmen, in denen genau der Augenblick, der uns gerade noch schön schien, aufregender, klarer, genauer, theatralischer und einfach besser klingt. Nehmen wir die Venus der Herta Wilfert. Das Beiheft will uns weiß machen, dass die erregend und verführerisch sei. Nun ja. In den fünfziger Jahren, als man sich nicht mehr daran erinnern konnte, dass es auch einmal dreißiger und vierziger Jahre gegeben hatte, als alles sauber und rein zu sein hatte, war sie das vielleicht. Hört man dagegen Grace Bumbry im Bayreuther Mitschnitt von 1962, verblasst Herta Wilfert zur biederen Hausfrau. Ganz abgesehen davon, dass sie nicht über den dramatischen Impetus Bumbrys gebietet.
Wolfgang Windgassen, jahrelang Bayreuths Tannhäuser vom Dienst, hat hier keinen guten Tag. Er setzt auf Expressivität - oft mit mangelnder Präzision. Auch Gré Brouwenstijns in der Höhe forcierte Elisabeth gleicht keiner Inkarnation blühenden Schöngesangs. André Cluytens dirigiert so kapellmeisterlich zuverlässig wie unspektakulär. Der wahre Gewinner des Sängerkriegs heißt Fischer-Dieskau, ein intelligenter, ausdrucksvoller Wolfram - und wirklich: schon schön.

Jochen Breiholz, 23.10.2004



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