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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Johann Sebastian Bach

Das wohltemperierte Klavier, Band I und II

Andrei Gavrilov, Joanna McGregor, Nikolai Demidenko, Angela Hewitt

Euroarts/Naxos 2050309
(260 Min., 2/2000) 2 DVDs

Im Bach-Jahr 2000 produzierte die BBC Wales diese vier Sendungen mit vier Pianisten, aufgenommen an vier Orten. Das "Wohltemperierte Clavier" also, hochgehaltene, aber nicht gerade populäre Kost. Nach Aussage von David M. Jackson, Leiter der Musikabteilung der BBC Wales, sollte das Werk so verfilmt werden, "dass ein möglichst breites Publikum angesprochen wird, also auch Leute, die nur wenig Musik von Bach kennen und vielleicht gerade mal das erste Präludium des ersten Teils wiedererkennen würden."
Das breite Publikum dürfte hier zunächst den Eindruck bekommen, dass es sich bei Bachs elaborierter Präludien- und Fugensammlung um eine ziemlich düstere Angelegenheit handelt. So ist das nun mal, wenn man visuelle Medien einsetzt und die Räumlichkeiten nur spärlich beleuchtet. Was sehr bedauerlich ist, denn Gaudís Güell-Palast in Barcelona, der Palazzo Labia in Venedig und die Wartburg sind nicht von jedermann täglich zu besichtigen.
Am interessantesten sind also erst mal die wechselnden Klunker an den Fingern von Andrei Gawrilow, der im ersten Teil die kargen Betonwände der New Art Gallery in Walshall bespielt. (Nur so nebenbei: Kennen Sie Liberace?) Überhaupt, der Blick auf Pianistenfinger ist ja durchaus interessant. Hier wird er mit der Zeit zur Irritation, denn das kompliziert aus verschiedenen Kameraperspektiven zusammengeschnittene Werk hat zum Teil erhebliche Fehler bei der Bild/Ton-Kongruenz (Präludium und Fuge I/12).
Wenn man - wie in den Aufnahmen geschehen - im Palazzo Labia das Fenster öffnet, vergeht keine Minute ohne Bootsgehupe, der Rezensent hat vor Ort im letzten Jahr schlafarme Nächte verbracht ... Wir verfolgen also eine Art Playback. Nichts gegen das Schneiden von Aufnahmen, und fürs Fernsehen mag es ja reichen, aber als akustisch-visuelles Werk von bleibendem dokumentarischem Wert können die zwei DVDs aus diesem Grund nicht gelten.
Musikalisch gesehen bewegt man sich auf Standardniveau, wobei Angela Hewitt (WK II, Nos. 13 bis 24) sensibel-differenzierend und durchsichtig agiert, Nikolai Demidenko (WK II, Nos. 1 bis 12) in leise angelegten Stücken mit viel Rubato und noch mehr Zartheit im Anschlag arbeitet, dann aber auch wieder rhythmisch straff zupackt. Solche Kontrastierungen kennzeichnen im Großen und Ganzen auch den Ansatz von Gawrilow. Joanna McGregor (WK I, Nos. 13 bis 24) dagegen betont eher eine weiche, wenn nicht weichliche Seite.

Matthias Reisner, 21.05.2005



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