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John Williams

Cellokonzert, Elegie für Cello und Orchester, Drei Stücke für Cello solo, Heartwood

Yo-Yo Ma, Los Angeles Recording Arts Orchestra, John Williams

Sony Classical 89670
(67 Min., 4/2001) 1 CD

Um dieses Cellokonzert zu schreiben, brauchte man nicht John Williams heißen. Zwar signiert der Schöpfer der Filmmusiken zum "Weißen Hai, zu "E.T." und zu "Star Wars" die Partitur zu Beginn mit packend filmischen Fanfaren - um dann Yo-Yo Ma auf die Szene treten zu lassen, der gewiss keine schlechte Besetzung für die Hauptrolle ist.
Doch dann lässt Williams seinen Helden in einer durchaus beeindruckenden stimmungsvollen Orchesterlandschaft stehen. Introvertiert spinnt er ziellose saure Melodien mit viel ziseliertem Laufwerk. Diese herbere Klanglichkeit macht das Werk allerdings nicht seriöser, nicht weniger eklektizistisch. Wobei klangliche Innovation gar nicht das Problem ist. Eindrucksvolle griffige Themen zu charakteristischen Stories zu erfinden, in Sekundenschnelle romantische Atmosphäre zu schaffen, ist schließlich eine eigene Kunst mit ihrem eigenen Wert. Und Williams gelingt es gewöhnlich, Bild, Situation und Klang so gut zu verbinden, dass er auch im Konzertsaal Filmerlebnisse überraschend plastisch wiederzuerwecken weiß.
Doch zu seinem Cellokonzert gibt es keinen Film - und da macht sich der Mangel an strukturellem Gestaltungswillen, das Fehlen eines Konfliktes, einer dramatisch erzählten Geschichte bemerkbar: Sie geht bei der Zurschaustellung von orchestraler und vor allem solistischer Technik verloren. Williams lässt seinen Helden gut aussehen, doch Yo-Yo Mas dramatische Kraft verpufft, weil es im Drehbuch keine überzeugenden Dialoge für ihn gibt.
Zur "Elegie" bietet Williams im Beiheft dagegen eine Geschichte an: Das Stück entstand als Reaktion auf den Unfalltod der Kinder einer Kollegin. Und "Heartwood" komponierte Williams mit einem Bildband über knorzige alte Bäume in der Hand. Als Filmmusik funktionierte der sämige Streichersound dazu in beiden Fällen. Als Kontrast zu Yo-Yo Mas durchdringendem Celloton wirkt er dagegen plötzlich billig - weil er im Gegensatz zum Solisten von sich abzulenken scheint.
Können wir John Williams als Komponisten absoluter Musik also vergessen? Nicht ganz. Denn da gibt es noch die drei Stücke für Cello solo. Die haben auch programmatische Titel. Hört man in dem ersten Stück das Peitschenknallen der Sklaventreiber und das Stöhnen der Malträtierten, wird es etwas trivial. Für sich gehört bieten das Schlagmotiv am Anfang und das nervöse Sich-Entfernen vom Grundton dagegen musikalischen Konflikt genug für fünfeinhalb Minuten intensive Spannung. Ein Mann, ein Cello, eine Lösung: manchmal braucht auch ein Williams nicht viel, um gut zu sein.

Carsten Niemann, 11.07.2002



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