Responsive image
Antonio Vivaldi

Stabat Mater, Nisi Dominus, Motette "Longe mala"

David Daniels, Europa Galante, Fabio Biondi

Virgin/EMI 5 45474 2
(55 Min., 8/2001) 1 CD

Die Art, wie seit einem halben Jahrzehnt die Werke Vivaldis neu entdeckt bzw. entstaubt werden, verblüfft nicht nur die Fans des rotschopfigen venezianischen Priesters. Fabio Biondi und sein Ensemble Europa Galante zählen längst zu den führenden "Staubwedeln". Biondis Entdeckerimpetus wie auch sein Tonfall sind allerdings kein rabiat dreinfahrender und grell auftrumpfender (wie etwa bei den Landsleuten vom Giardino armonico), sondern - eher - duftig pulsierend, fast bescheiden zu nennen.
Bei diesen drei geistlichen Werken für Alt und Streicher hat sich Biondi den Kontratenor David Daniels zum Partner erkoren. Schon äußerlich möchte man beide zu Brüdern erklären, erst recht künstlerisch, passt Daniels' zartes, weiches Timbre doch bestens zum geschmeidig phrasierenden Spielduktus von Europa Galante. Und diese glückliche Verbindung verleiht Vivaldis düsterem "Stabat Mater" und "Nisi-Dominus"-Psalm eine wunderbar tiefsinnige, ja intime Dimension.
In Momenten wie der Anrufung "Eja Mater", wo Biondis Sologeige mit trockenen Staccati Jesu Dornenkrone nachzeichnet und Daniels denkbar kontrastreich legatissimo die Klage Mariens über ihren gekreuzigten Sohn anstimmt, oder beim glaubensfrohen Schlussgesang, der in seinem Sechsachtel-Rhythmus an das sanfte Wiegen venezianischer Gondeln erinnert - da wird einem klar, auf welche geniale Weise Vivaldi hier mit denkbar asketischen Mitteln ein Höchstmaß an Ausdruck geschaffen hat.
Die jedem Opernfuror alle Ehre machende Motette "Longe mala" wartet hingegen mit hochdramatischen Koloraturen auf. Hier vermisst man bei Daniels trotz aller Präzision ein wenig das kernige Volumen und die scharfkantige, forsche Virtuosität eines Andreas Scholl. Aber solche Beckmesserei soll dieser großartigen Produktion keinen Abbruch tun.

Christoph Braun, 17.01.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn man einmal die drei Künstlerpersönlichkeiten Nicolas Dautricourt, Pascal Schumacher und Knut Erik Sundquist gemeinsam auf der Bühne erlebt hat, dann vergisst man ihre abgefahrene, spielversessene Energie nicht so schnell wieder. Auch auf der neuesten CD des Trios – „Porgy and Bess Revisited“ – spürt man diese Experimentierfreude, aber auch die reiche Erfahrung und das unglaubliche Vertrauen in die gemeinsame Intuition, die die drei Musiker auf Violine, Kontrabass und Vibrafon […] mehr »


Top